10. Bielefelder Bildungskonferenz: Gleiche Chancen in unterschiedlichen Lebenswelten!?
| Bielefeld (bi)
Mit einem Fokus auf Chancengleichheit und schulische Segregation hat am Dienstag, 10. Februar, die 10. Bildungskonferenz der Bildungsregion Bielefeld unter dem Titel „Gleiche Chancen in unterschiedlichen Lebenswelten?! – Bildung in Bielefeld im Fokus“ stattgefunden. 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft, Bildungspraxis, Zivilgesellschaft sowie junge Menschen aus Bielefeld kamen zusammen, um Ursachen, Folgen und konkrete Handlungsansätze für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildungsregion zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Konferenz von Dr. Christiana Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld, die in ihrem Grußwort die Bedeutung betonte: „Wir stehen weiterhin vor der großen Herausforderung, dass Bildungsbiografien junger Menschen in erheblichem Maße durch soziale Herkunft sowie durch den Wohnort beeinflusst werden. Als Stadt Bielefeld nehmen wir diesen Zustand nicht einfach hin: Wir investieren bewusst auch erhebliche Mittel in freiwillige Leistungen, um positive Entwicklungen zu ermöglichen und nachhaltig zu stärken.“
Birgit Beckermann, Dezernentin für Schule, Bürger, Kultur und Sport, sowie Ingo Nürnberger, Dezernent für Soziales und Integration, unterstrichen in einem gemeinsamen Fazit die Notwendigkeit, die Impulse der Bildungskonferenz langfristig in der Bildungsregion zu verankern. Ingo Nürnberger machte dabei deutlich: „Die Ergebnisse und Zahlen des heutigen Tages sind eindeutig: Die Bildungschancen sind auch in unserer Stadt ungleich verteilt. Damit können wir in Bielefeld nicht zufrieden sein.“ Mit Blick auf die Zukunft betonte Birgit Beckermann: „Zuversicht bedeutet, dass wir uns bewusst sind, wie viel wir für junge Menschen verbessern und positiv verändern können. Dazu gehört ein klarer Gestaltungswille, den ich heute bei den Bielefelder Akteurinnen und Akteuren der Bildungskonferenz ebenso wie in der gesamten Stadtgesellschaft deutlich wahrnehme.“
Unter dem Titel „Bielefelder Stimmen – Perspektiven aus der Bildungsregion“ beleuchteten verschiedene Akteurinnen und Akteure die Situation vor Ort: Ein datengestützter Überblick zur Bildungsungleichheit in Bielefeld, Einblicke in arbeitsmarktpolitische Perspektiven junger Menschen, Erfahrungen aus der schulischen Praxis in Baumheide sowie Beiträge zu den Lebenswelten benachteiligter Jugendlicher machten deutlich, wie vielschichtig die Herausforderungen sind und wie wichtig abgestimmtes Handeln bleibt.
Einen wissenschaftlichen Schwerpunkt setzte die Keynote von Dr. Matthias Forell von der Ruhr-Universität Bochum. Er zeigte auf, wie Strukturbedingungen und Selektionsmechanismen Bildungsbiografien beeinflussen und welche Rolle Kommunen bei der Gestaltung gerechterer Bildungswege einnehmen können. Weiterführend arbeiteten die Teilnehmenden in sechs parallelen Praxisworkshops an konkreten Fragestellungen, von Elternkooperation und multiprofessioneller Zusammenarbeit in Schule über quartiersbezogene Präventionsarbeit bis hin zu migrationssensiblen Übergängen von der Schule in den Beruf. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Erfahrung aus der Bildungsarbeit vor Ort. Im anschließenden Austausch wurde die Übertragbarkeit auf die Stadt Bielefeld ausgelotet. Schließlich wurden Wünsche für die Weiterentwicklung, unter anderen durch die Gremien der Bildungsregion, gesammelt.
Ein wichtiges Element der Konferenz war die Beteiligung junger Menschen. Im Programmpunkt „Jugendbeteiligung und Bildungsungleichheit“ stellten einige Jugendliche und junge Erwachsene Perspektiven und schulische Projekte von Jugendlichen vor. Diese stellten sie als wichtige Grundlage für zukünftige Entscheidungen vor.