Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kommt in Deutschland immer wieder vor. Laut einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015 gab die Hälfte der befragten Beschäftigten an, am Arbeitsplatz selbst eine sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist eine häufige Form von Gewalt gegen Frauen, die unabhängig von Branche und beruflicher Position auftritt.

Meistens sind Frauen Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Aber auch Männer, Trans*- Personen und intergeschlechtliche Menschen können betroffen sein.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) spricht von sexueller Belästigung, wenn ,,ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird‘‘ (§ 3 Abs. 4 AGG).

Die Handlungen lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

Verbal:

  • sexuell anzügliche Bemerkungen, Witze oder Kommentare
  • Fragen mit sexuellem Inhalt
  • Aufforderung zu intimen oder sexuellen Handlungen
  • Androhen beruflicher Nachteile oder Versprechen von Vorteilen

Non-verbal:

  • aufdringliches Starren oder anzügliche Blicke
  • Hinterherpfeifen
  • unerwünschte SMS oder Fotos mit sexuellem Bezug
  • unerwünschte erotische oder pornografische Bilder, die am Arbeitsplatz aufgehängt werden

Physisch:

  • unerwünschte Berührungen wie z.B. Streicheln
  • körperliche Gewalt sowie jede Form sexualisierter Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung

Im Arbeitskontext entsteht sexuelle Belästigung häufig im Zusammenhang mit Machtausübung und Hierarchien. Beispielsweise werden hierarchische Arbeitsbeziehungen ausgenutzt, um die eigene Macht zu demonstrieren. Sie kann aber auch als Mittel verwendet werden, um Konkurrenz auszuschalten bzw. die Autorität einer vorgesetzten Person herabzustufen.

Sexuelle Belästigung oder Flirt – klare Abgrenzung!

Sexuelle Belästigung wird häufig nicht als solche erkannt. Oftmals werden die belästigten Personen beschuldigt, etwas missverstanden zu haben oder es wird als Flirtversuch verharmlost. Studien zeigen jedoch, dass Menschen ein gutes Gespür dafür haben, wann eine Grenzüberschreitung und Würdeverletzung des Gegenübers vorliegt. Sexuelle Belästigung ist ein bewusstes und geplantes Verhalten.

Ein Flirt hat nichts mit sexueller Belästigung zu tun und ist auch am Arbeitsplatz nicht verboten. Ein Flirt basiert immer auf beiderseitigem Verhalten, während übergriffiges Verhalten ohne das Einverständnis der anderen Person geschieht.

Die Grenze zwischen Flirt und sexueller Belästigung ist eindeutig:

Ein Flirt …

  • ist eine gegenseitige Entwicklung
  • ist von beiden Seiten erwünscht
  • respektiert die persönlichen Grenzen

Sexuelle Belästigung …

  • ist eine einseitige Annäherung
  • ist von einer Person nicht erwünscht
  • verletzt persönliche Grenzen
  • ist erniedrigend und beleidigend
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist immer verboten!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist verboten. Das AGG gibt Ihnen Rechte, sich gegen sexuelle Belästigung zu wehren und regelt darüber hinaus die Schutzpflicht der Arbeitgeber*innen gegenüber den Beschäftigten.  

Das AGG sieht für Betroffene drei zentrale Rechte vor:

Beschwerderecht nach § 13 AGG:

Sie haben das Recht sich bei der zuständigen Stelle im Betrieb zu beschweren, wenn Sie das Gefühl haben von sexueller Belästigung betroffen zu sein.

Die zuständige Stelle ist verpflichtet Ihrer Beschwerde nachzugehen. Nachteile, wie beispielsweise Abmahnung oder Kündigung, dürfen nicht entstehen. Darüber hinaus haben Sie den Anspruch auf vorbeugende und unterbindende Schutzmaßnahmen durch den*die Arbeitgeber*in.

Leistungsverweigerungsrecht nach § 14 AGG:

Falls der Betrieb keine wirksamen Maßnahmen erfüllt, um Sie zu schützen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen der Arbeit fernbleiben und weiterhin das volle Gehalt verlangen. Wichtig dabei ist, dass dies nur möglich ist, wenn der Betrieb nichts zum Schutz vor sexueller Belästigung unternimmt oder die Maßnahmen eindeutig ungeeignet sind. In jedem Fall sollte der*die Arbeitgeber*in vor der Leistungsverweigerung schriftlich und unter Angabe der Gründe informiert werden.

Bitte beachten Sie:

  • Es ist nicht immer erkennbar, ob eine Maßnahme geeignet ist. Im Zweifel müssen Sie die Rechtfertigung für die Leistungsverweigerung beweisen.
  • Sind die Voraussetzungen für eine Leistungsverweigerung nicht gegeben, ist ihr*e Arbeitgeber*in ggf. zu einer Kündigung berechtigt.

Sie sollten sich daher auf jeden Fall juristisch beraten lassen, bevor Sie die Arbeit niederlegen!

Ansprüche auf Schadensersatz und Entschädigung nach § 15 AGG:

In bestimmten Fällen haben Sie einen Anspruch auf Schadensersatz bzw. Entschädigung gegenüber dem*der Arbeitgeber*in. Hier ist eine Frist von zwei Monaten zu bewahren. Arbeitgeber*innen haften nur für eine sexuelle Belästigung, wenn diese von einer Person ausgeht, die Arbeitgeberfunktionen wahrnimmt oder Weisungsrecht hat (z.B. Vorgesetze). Bei sexueller Belästigung durch Kolleg*innen haften Arbeitgeber*innen nur, wenn sie keine Schutzmaßnahmen ergriffen haben und es erneut zu einem Vorfall kommt.

Hilfemöglichkeiten:

Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Tel. 030 18555-1865

Darüber hinaus gibt es Anlaufstellen in Bielefeld:

Frauennotruf Bielefeld e.V.

Telefon: 0521 124248

Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld:

Telefon: 0521 512018