Wettbewerb „Neugestaltung des Ravensberger Parks“

Der Ravensberger Park ist ein historischer Ort der Industriegeschichte Bielefelds und fungiert bereits heute als wichtiger Begegnungsort für Kultur, Bildung und Erholung. Dennoch bleibt sein Potenzial – insbesondere in Bezug auf eine bessere Einbindung in den Stadtraum, die Stärkung der Klimaresilienz sowie die Steigerung der Aufenthaltsqualität – bislang ungenutzt.

Um diese Defizite zu beheben und den Park zukunftsfähig zu gestalten, wurde auf Grundlage der im Jahr 2022 erarbeiteten Entwicklungsstudie ein Wettbewerbsverfahren zur Neugestaltung des Ravensberger Parks initiiert. Ziel des Wettbewerbs war es, innovative und nachhaltige Konzepte zu entwickeln, die den Park als attraktiven, klimaangepassten und gut vernetzten Freiraum für alle Generationen weiterentwickeln. Dabei sollten sowohl die historische Identität des Ortes bewahrt als auch neue Impulse für Nutzung, Gestaltung und ökologische Qualität gesetzt werden.

Der Wettbewerb umfasst die gesamten Freianlagen des Parks und zielt auf eine bessere Nutzbarkeit und hohe Aufenthaltsqualität des Areals ab. Im Rahmen des Wettbewerbs war unter Berücksichtigung der Anforderungen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung ein freiraumplanerisches Konzept zu erarbeiten, das den verschiedenen Nutzungsansprüchen im Ravensberger Park sowie den denkmalrechtlichen Vorgaben und ökologischen Herausforderungen gerecht wird. Ziel des Wettbewerbs ist die Gestaltung eines attraktiven, innerstädtischen Parks, der auch zukünftig als wichtiger und vielseitiger Aufenthaltsort für die Bielefelder*innen dient.

Hierzu wurde ein freiraumplanerischer Wettbewerb europaweit nach den „Richtlinien für Planungswettbewerbe“ (RPW 2013) ausgelobt. An dem Wettbewerb konnten zwölf Büros mit der Qualifikation Landschaftsarchitekt*innen teilnehmen.

Die EU-weite Bekanntmachung erfolgte am 16.07.2025. Ab diesem Zeitpunkt konnten sich geeignete Büros nach den benannten Eignungskriterien zur Teilnahme am Wettbewerb bewerben.

Bei der Losziehung am 04.09.2025 wurden zu den vier im Vorfeld durch die Ausloberin ausgewählten und eingeladenen Teilnehmer*innen weitere acht Teilnehmer*innen aus den 42 Bewerbungen ausgelost und zur Teilnahme am Verfahren eingeladen. Bei einem Auftaktkolloquium von Preisgericht und Teilnehmer*innen am 25.09.2025, wurde die Aufgabenstellung vorgestellt und Rückfragen der Büros zur Wettbewerbsaufgabe beantwortet. Im Anschluss begann die rund achtwöchige Bearbeitungszeit für die Büros.

Von zwölf zur Teilnahme aufgeforderten Büros sind elf Entwürfe zur Jurierung durch das Preisgericht fristgerecht und anonym bis zum 19.11.2025 eingegangen.

Zu den Beurteilungskriterien zählten die gestalterischen und freiraumplanerischen Qualitäten, Funktionalität, Klimaanpassung, Denkmalschutz, der Bezug zur Historie sowie Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Insbesondere die übergeordnete Konzeptidee zur Weiterentwicklung des Parks sollte herausgestellt werden. Aufgrund des vorgegebenen Budgetrahmens wurde von den Büros eine Schwerpunktsetzung und Fokussierung auf Teilbereiche erwartet.

Nach Vorprüfung der Wettbewerbsarbeiten tagte am 14.01.2026 das Preisgericht unter dem Vorsitz von Herrn Terfrüchte, Landschaftsarchitekt aus Essen.

Als Ergebnis der Preisgerichtssitzung wurden drei Preise und eine Anerkennung an die folgenden Büros vergeben. Dabei gab es einen 1. Preisträger, zwei 3. Preisträger und eine Anerkennung.

Den 1. Preis erhielt Club L94 Landschaftsarchitekten GmbH aus Köln, welcher mit einem Preisgeld in Höhe von 28.800 Euro dotiert ist.

Der 3. Preis ging zum einen an das Büro geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH aus Berlin und an Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten aus Bockhorn. Beide Büros erhalten für den 3. Platz ein Preisgeld in Höhe von 18.000 Euro.

Eine Anerkennung in Höhe von 7.200 Euro und ging an bbz landschaftsarchitekten berlin GmbH.

Der Gewinnerentwurf des Büros Club L94 steht unter der Leitidee „Spinnereipark - mit der Geschichte verwoben“ und setzt die drei Teilbereiche des Ravensberger Parks unter die zeitlichen Überschriften Gestern – Heute – Morgen in Szene.  Jeder Teilbereich erhält eine punktuelle Akzentuierung durch beispielsweise Spielbereiche, Ausstellungsflächen oder neue Wegeverbindungen. Die Eingangsbereiche werden durch ein wiederkehrendes Betonsteinpflaster mit Gewebestruktur inszeniert. Der Entwurf sieht ein ausführliches Pflanzkonzept mit Stauden- und Strauchpflanzungen sowie neue Baumpflanzungen vor. Im Rochdale Park wird der historische Charakter im Wesentlichen bewahrt und durch behutsame Ergänzungen der Wegestruktur und Aufenthaltsqualitäten sowie einer Gedenkstätte zum Zwangsarbeiterinnenlager aufgewertet. Das Kulturforum und der Museumsgarten stellen den Zentralen Bereich und das „Heute“ des Ravensberger Parks dar. Die Veranstaltungsfläche wird mit Wegen aus wassergebundener Wegedecke durchzogen und verknüpft so die einzelnen Parkbereiche miteinander. Zudem werden einzelne Ausstattungs- und Spielelemente ergänzt. Die Wegeverbindungen werden aufgegriffen und in den östlichen Parkbereich, den Bürgerpark, weitergeführt. Neben Spiel- und Bewegungsbereichen entsteht in diesem Bereich ein klimaangepasster Park. Dabei soll der Bereich der Senke als Retentionsteich ausgebildet werden, der über die Aktivierung der Gleisbrücke übergangen werden kann. Die Inszenierung des Wasserturms, aufgeweitete Eingangsbereiche und eine stärkere Durchwegung prägen den Entwurf im östlichen Bereich.

Weitere Schritte

Der 1. Preisträger erhält ein Auftragsversprechen für die Umsetzung seines Siegerentwurfes und soll im anschließenden VgV-Verfahren mit der Planung der weiteren Leistungsphasen beauftragt werden.

Die Umsetzung des Entwurfes soll als eine Maßnahme in das „INSEK Innenstadt“ aufgenommen und mit Hilfe von Städtebaufördermitteln in der Planung und Umsetzung finanziert werden.