Reinigung der Abwässer 

Die Abwasserreinigung gehört zu den wichtigsten Aufgaben des kommunalen Umweltschutzes. Sie sichert eine gute Qualität der Gewässer und indirekt auch des Trinkwassers. Die moderne Abwasserbehandlung sorgt für hygienische Verhältnisse.

In Bielefeld sind jedes Jahr rund 20 Millionen Kubikmeter Abwasser von den Grundstücken abzuleiten und zu reinigen. Jeder von uns „produziert” täglich im Durchschnitt 130 Liter Abwasser.

Der Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld betreibt drei Klärwerke:
Klärwerk Heepen, Schelpmilser Weg 21
Klärwerk Brake, Elsener Straße 20
Klärwerk Sennestadt, Freudweg 61

In zwei Klärwerken außerhalb des Stadtgebietes wird Bielefelder Abwasser mitbehandelt:
Klärwerk Obere Lutter in Niehorst
Klärwerk Verl-Sende in Verl 

Mechanische Abwasserreinigung

Das Abwasser wird per Schmutzwasserkanal zum Klärwerk transportiert und gelangt in das sogenannte Rechenhaus. Hier werden mit Hilfe eines Rechens die Grobstoffe aus dem Abwasser entfernt, z.B. Textilien und Papier. Das sogenannte Rechengut wird der Müllverbrennungsanlage zugeführt.

Im Sandfang und Fettfang werden Sand und Fett abgetrennt: Bedingt durch die langsame Fließgeschwindigkeit setzen sich die mineralhaltigen Stoffe am Beckenboden ab. Das aufschwimmende Fett wird in den Faulbehälter gepumpt.

Das Vorklärbecken schließt die mechanische Reinigung ab. Schlammpartikel und andere ungelöste Schmutzstoffe setzen sich am Beckenboden ab. Dieses Sediment wird von einem Bodenräumer zu einem Schlammtrichter geschoben. Im Anschluss fördert ein Schlammpumpwerk den Schlamm über einen Eindicker direkt in einen Faulbehälter, wo die anaerobe Zersetzung der organischen Bestandteile stattfindet.

Das mechanisch vorgeklärte Abwasser durchfließt hier mehrere hintereinander geschaltete Becken, belüftete und unbelüftete Areale. Dabei werden mit Hilfe von Bakterien die Kohlenstoffverbindungen, Stickstoffverbindungen und Phosphate aus dem Abwasser abgebaut. Die Bakterien bilden den sogenannten Belebtschlamm. 

In den Nitrifikationsbecken der Belebung werden zunächst die Kohlenstoffverbindungen abgebaut und die Stickstoffverbindungen (z.B. Ammonium) zu Nitrat umgewandelt. Dazu benötigen die Bakterien Sauerstoff, der durch Belüftung in das Abwasser eingetragen wird. Anschließend durchfließt das Abwasser unbelüftete und sauerstofffreie Denitrifikationszonen und –becken. Hier spalten die Bakterien das Nitrat in Stickstoff und Sauerstoff. Der Stickstoff entweicht in die Atmosphäre, und den Sauerstoff veratmen die Bakterien. 
Während dieses Prozesses werden gleichzeitig die Kohlenstoffverbindungen weiter abgebaut. Zugleich werden die Phosphate mit Hilfe von Bakterien biologisch und durch Zugabe von Natriumaluminatlösung chemisch im Belebtschlamm gebunden.

Das gereinigte Abwasser und der Belebtschlamm fließen zusammen in das Nachklärbecken. Der Schlamm setzt sich am Beckenboden ab und wird zurück in das Belebungsbecken gefördert, dort werden leistungsfähige Bakterien wiederum gebraucht. Überschüssiger Schlamm wird zum Faulbehälter transportiert.

In der Flockungsfiltration werden die Restmengen an Kohlenstoff- und Phosphorverbindungen entfernt, eventuell noch vorhandenes Ammonium wird zu Nitrat oxidiert. Bekanntlich führen Stickstoffverbindungen und Phosphate zu einer Belastung der Gewässer. Sie sind Pflanzennährstoffe und führen zu einer Vermehrung von Algen und anderen Wasserpflanzen, die Sauerstoff verbrauchen. Dieser steht dann für Fische und andere Lebewesen nicht mehr zur Verfügung.

Der gesamte Klärvorgang dauert 10 bis 14 Stunden. An die Behandlung im Klärwerk werden hohe Anforderungen gestellt. Das Staatliche Umweltamt überwacht durch regelmäßige Messungen die Reinigungsleistung der Klärwerke. Mit der Abwasserreinigung wird gleichzeitig Vorsorge für eine gute Trinkwasserqualität getroffen – schließlich ist Wasser unser wichtigstes Lebensmittel.
Die Abwasserbehandlung und andere Maßnahmen des Gewässerschutzes gehen Hand in Hand. Ist das Wasser gereinigt, wird es in den sogenannten Vorfluter, das ist für das Klärwerk Heepen der Wellbach, eingeleitet und gelangt in den natürlichen Kreislauf zurück.