Drei Fragen an...

Nadine Yvonne Bulla

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt heute als Selbstverständlichkeit. Dennoch orientieren sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland Frauen und Männer nach wie vor sehr unterschiedlich. In NRW ist nur eine Frau unter mehr als zehn Männern im aktiven Feuerwehrdienst tätig. Eine davon ist Nadine Bulla, Oberbrandmeisterin bei der Feuerwehr Stadt Bielefeld.

Wie sind Sie zur Berufsfeuerwehr Bielefeld gekommen?
Mein Vater war Berufsfeuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Bielefeld. Deshalb hatte ich schon von klein auf einen Bezug zu der Feuerwehr. Mit 15 Jahren bin ich in die Jugendfeuerwehr eingetreten und mit 18 Jahren in die Freiwillige Feuerwehr. Nach meinem Abitur 2005 habe ich eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin absolviert. 2010 konnte ich meinen Traum, Berufsfeuerwehrfrau zu werden, erfüllen. Seitdem arbeite ich bei der Berufsfeuerwehr Bielefeld. Neben dem Brandschutz bin ich auch als Notfallsanitäterin und Praxisanleiterin für unsere Auszubildenden tätig.

Welche Voraussetzungen sollte ich für die Ausbildung als Brandmeisterin mitbringen?
Neben den allgemeinen Anforderungen ist ein Hauptschulabschluss Mindestvorraussetzung. Abgeschlossene Ausbildung in einem für den feuerwehrtechnischen
Dienst brauchbaren Handwerk oder eine entsprechend förderliche Berufsausbildung von mindestens 3 Jahren, Abschluss mit mindestens ,,befriedigend" (oder einem geeigneten Studium für den gehobenen/höheren Dienst). Eine realistische Vorstellung von dem Berufsbild sollte vorhanden sein. Wir werden neben dem Brandschutz auch zur Technischen Hilfeleistung, Tierrettung, Umweltschutz, Chemieunfällen und im Rettungsdienst eingesetzt.

Da wir auch mit Sterbenden und Toten konfrontiert werden, sollte eine Belastbarkeit vorhanden sein. Der Beruf kann physisch und psychisch belastend sein und wir sind im Regelfall im 24h Einsatzdienst tätig. Danach hat man zwei Tage frei. Wichtig ist auch zu wissen, dass wir auch an Feiertagen Dienst haben, da die Feuerwehr 24 Stunden, 365 Tage im Jahr für ihre Mitmenschen da ist. Außerdem sollte man einen gewissen Ehrgeiz haben, Teamfähigkeit besitzen und die Bereitschaft, an seine Grenzen gehen zu können. Dies ist neben körperlicher Fitness und einem gewissen Selbstbewusstsein wichtig.

Was glauben Sie, warum so wenige Frauen zur Feuerwehr gehen und eine Ausbildung zur Brandmeisterin machen?
Ich denke die Hauptursache liegt darin, dass zum einen das Bild der Feuerwehr von der Öffentlichkeit oft als rein männlich wahrgenommen wird. Es wird in den Medien aber aktuell mehr von Feuerwehrleuten und auch Feuerwehrfrauen berichtet, oft aber nur von Feuerwehrmännern. Solange Feuerwehrfrauen in den Medien nicht sichtbar sind, werden sich wenige Frauen Gedanken über diesen Beruf machen. Zum anderen ist die geforderte handwerkliche Ausbildung oft ein Hindernis. Viele Betriebe bilden keine Frauen aus. Die körperlichen Anforderungen schrecken oft ab. Frauen müssen den selben Sporttest absolvieren wie die Männer. Sie werden später ja auch im Einsatz die gleichen Anforderungen wie die männlichen Kollegen erfüllen müssen. Oft können sich Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Berufsfeuerwehr nicht vorstellen oder die Vorstellung mit fast 97 Prozent rein männlichen Kollegen zu arbeiten, wirkt etwas abschreckend.

In Bielefeld hat 1987 die erste Berufsfeuerwehrfrau im mittleren Dienst angefangen. Seit ich auf der Welt bin kenne ich also schon Frauen bei der Berufsfeuerwehr, sie waren immer für mich sichtbar und Vorbild. Allerdings ist das durch meine familiäre Nähe geschehen. Durch die Ausbildung zum*zur Notfallsanitäter*in haben wir auch mehr Frauen, die bei uns im Rettungsdienst arbeiten. Sie bringen gute Voraussetzungen mit, später auch Berufsfeuerwehrfrau zu werden. Sie kennen den Wachalltag, das Kollegium und das Aufgabengebiet und sind in unserer Wachabteilung integriert.

Für mich könnte ich mir keinen anderen Beruf vorstellen, auch wenn die aktuelle Situation uns noch mehr fordert als bisher. Als Beamtin habe ich einen sicheren Job und das Kollegium ist wie eine zweite Familie für mich. Ständig wechselnde Aufgaben und eine vielfältige Tätigkeit machen diesen Beruf, wenn auch mit einigen Schattenseiten zu meinem Traumberuf.

Als im April 1991 eine kleine Gruppe von Frauen den Namen „Wildwasser“ ins Bielefelder Vereinsregister eintragen ließ, konnten sie nicht vorhersehen, dass sie eine Institution gründeten. Sie wollten ihre Erfahrungen aus der Selbsthilfe für die Unterstützung betroffener Frauen nutzen und sie stärken, über sexualisierte Gewalt aufklären und gezielte Hilfe anbieten. Haltung und Überzeugungen der Gründerinnen prägen das Angebot von Wildwasser Bielefeld bis heute: nah an den Bedürfnissen der Frauen und aufmerksam gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen – sei es beim Thema Gewalt in der Familie, in Institutionen oder im Internet oder im Bereich Alter und Trauma. Seit 30 Jahren beobachtet das Wildwasser-Team, wie und in welchen Kontexten sexualisierte Gewalt entsteht, organisiert den fachlichen Wissenstransfer mit vielen Institutionen und passt das eigene Beratungsangebot immer wieder an.

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?

Bereits in meinem Studium habe ich mich schwerpunktmäßig mit Mädchen- und frauenspezifischen Themen befasst: weil sie mich persönlich bewegen und beschäftigen. Neben den individuellen Aspekten weiblicher Biografien war es dabei immer wesentlich für mich, den gesellschaftlichen und politischen Kontext miteinzubeziehen. Vor diesem Hintergrund sind es in meinem beruflichen Alltag bei Wildwasser vor allem Aspekte, die im weitesten Sinne mit Geschlecht, Ungerechtigkeit, Entwürdigung oder Ausgrenzung, Macht und Ohnmacht zu tun haben, wie bspw. (sexualisierte) Gewalt, Sexismus, Rassismus und Homo- und Transphobie. Das Verbindende ist, dass es um Themen geht, zu denen ich eine Haltung habe, die meinen Kopf und mein Herz berühren und für die ich somit bereit bin, aktiv zu werden.

Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?

Sexualisierte Gewalttaten sind Erfahrungen, die den eigenen Selbstwert verletzt haben, die mit Gefühlen von Scham, Schuld, Ohnmacht und Demütigung einhergehen, die persönliche Würde „angetastet“ und Möglichkeiten des eigenen Handelns massiv eingeschränkt haben. Deshalb ist uns die Würdigung von Lebensgeschichte, die Orientierung an Ressourcen und die Eröffnung von Wahlmöglichkeiten in unserer Arbeit besonders wichtig. Wir möchten in unserer Beratungsstelle vor allem Sicherheit und einen konkreten, geschützten Ort anbieten. Einen Platz schaffen, an dem die betroffenen Frauen Gehör und Verständnis finden, jenseits von gesellschaftlichen Opferrollen und Bewertungen durch andere. Ein maßgebliches Ziel ist es, einen „Strauß“ an Unterstützungsmöglichkeiten zusammenzustellen: von der Arbeit in Selbsthilfegruppen über therapeutische Gespräche bis hin zu Treffpunktangeboten.…

Neben dieser Schaffung eines geschützten Raumes geht es uns aber auch darum, Türen zu öffentlichen Räumen zu öffnen: in der Politik, in der allgemeinen Bevölkerung, in der Wissenschaft, in medizinischen, psychiatrischen und pädagogischen Einrichtungen. Mit dem Ziel, politische und gesellschaftliche Stärke zu entwickeln, um Gewalt zu verhindern und gewaltfördernde Strukturen abzubauen. Aber auch im Hinblick darauf, eine Lobby für die heute erwachsenen betroffenen Frauen zu schaffen: denn nicht immer begegnet ihnen Verständnis und Wertschätzung. Oftmals wird erwartet, „Altes“ ruhen zu lassen und verkannt, dass Gewalt zum Teil lebenslange Folgen hat und die Zeit nicht immer alle Wunden heilt!

Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen/Mädchen von heute auf morgen ändern?

Das ein Leben in Freiheit, Gleichheit und Würde selbstverständlich ist, ausnahmslos.

Claudia Mrosek

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Während meines Studiums durfte ich mich viel mit verschiedenen Formen der Diskriminierung und mit Ungleichheiten aufgrund des Geschlechts beschäftigen. Die Tatsache, dass Mädchen und Frauen bis heute nicht gleichberechtigt sind, hat mich dazu gebracht, mich gegen geschlechtsspezifische Benachteiligung einzusetzen.

Claudia Mrosek


Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?
(siehe Beatrice)
Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Dass Frauen und Mädchen nicht mehr durch diskriminierende Geschlechterrollen
benachteiligt werden und sie in allen Lebensbereichen die gleichen Rechte und
Chancen haben, wie Männer und Jungen auch.

Gudrun Linnenbürger

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Im Rahmen meines Soziologiestudiums war das Thema Gewalt gegen Frauen auf internationaler Ebene ein Studienschwerpunkt. Das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen weltweit hat mich sehr erschüttert und wütend gemacht.

Gudrun

Nach Beendigung meines Studiums Anfang der 90er Jahre hatte ich die Gelegenheit, im autonomen Frauenhaus Bielefeld mitzuarbeiten und ich kann seitdem unsere Frauen auf vielfältige Weise unterstützen.
Wie sieht die Unterstützung für Frauen in ihrer Einrichtung aus?
(siehe Beatrice)
Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Ein gewaltfreies Leben für Mädchen und Frauen bleibt die Perspektive. Ich wünsche mir, dass Mädchen und Frauen ein umfassender und kostenloser Zugang zu den verschiedenen Hilfsangeboten gewährt wird 

Barbara Supplie

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Die Erkenntnis, dass Gewalt gegen Frauen und Kindern Ausdruck eines ungleichen Geschlechterverhältnisses und der ungleichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern ist, hat mich dazu bewogen ein Praktikum in der

Barbara Supplie

Betreuung und Begleitung der Kinder von Frauenhausbewohnerinnen zu absolvieren. So habe ich Einblicke in das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und ihren Kindern erhalten und meine Motivation an der Bereitstellung von Schutz und Unterstützungsmöglichkeiten mitzuwirken war, entstanden. Mein Interesse, gesellschaftspolitische Zusammenhänge öffentlich zu benennen und mich für die Rechte von Frauen und Kindern einzusetzen, ist ein wesentlicher Bereich meiner Arbeit im Frauenhaus.
Wie sieht die Unterstützung für Frauen in ihrer Einrichtung aus?
(siehe Beatrice)
Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Ich wünsche mir für Frauen und Mädchen ein gewaltfreies Leben ohne Diskriminierung und Benachteiligung.

Beatrice Trappmeier

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Das Mädchen und Jungen und somit auch Frauen und Männer in unserer Gesellschaft nicht die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, war für mich als Mädchen und junge Frau, Anfang der 60er Jahre geboren, nicht zu übersehen. In meinem Pädagogikstudium hatte ich die Gelegenheit mich mit geschlechtsspezifischen Fragestellungen zu beschäftigen und feministische Theorien kennen zu lernen. Damit war mein Interesse und mein Wunsch mich für die Veränderung der tradierten Geschlechterverhältnisse einzusetzen geweckt und hat meinen weiteren Weg maßgeblich geprägt.

Beatrice Tappmeier

Wie sieht die Unterstützung für Frauen in ihrer Einrichtung aus?

  • Wir bieten als Frauenhaus Schutz und Zuflucht für Frauen und Kinder rund um die Uhr.
  • Wir unterstützen und begleiten bei der Perspektivfindung in ein gewaltfreies Leben nach dem Frauenhaus
  • Wir unterstützen bei der Absicherung des Lebensunterhaltes und wenn nötig bei der Sicherung des Aufenthaltsstatus.
  • Wir helfen bei sozialen, rechtlichen und gesundheitlichen Fragen und verweisen bei Bedarf an passende andere Stellen.
  • Wir unterstützen bei den Belangen der Kinder.
  • Wir helfen bei der Wohnungssuche und dem Start im neuen Wohnumfeld.

Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Das Mädchen und Frauen immer und überall ihren Mund aufmachen und laut und deutlich für ihre Rechte und ihre Wünsche einstehen.

Meike Meinert

Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Schon als Kind war mir sehr früh bewusst, wie

Meike Meinert

unterschiedlich Jungen und Mädchen, Frauen und Männer in unserer Gesellschaft behandelt werden, und wie unterschiedlich die Erwartungen, Ansprüche und Bewertungen ihrer Verhaltensweisen ausfallen. Je älter ich wurde desto mehr wurde mir klar wie sehr Frauen und Mädchen mit Übergriffen, Demütigungen und Einschränkungen ihrer Freiheiten rechnen (müssen) und wie tief frauenfeindliche Vorstellungen in unserer Gesellschaft (immer noch) verwurzelt sind. Gegen diese Ungerechtigkeiten möchte ich aufbegehren und im Frauenhaus bin ich damit an der richtigen Stelle.
Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?
(siehe Beatrice)
Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Ein selbstbestimmtes und freies Leben für alle Frauen und Mädchen weltweit.

 

 

 

Der Verein hat das Ziel, die Lebensbedingungen der in Bielefeld lebenden Frauen* auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu verbessern und Gewalt in Beziehungen und Familie entgegen zu wirken. Die Angebote des Vereins richten sich an Frauen* aller Kulturen, aller Religionen und jeden Alters.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Der Wunsch, sich gegen soziale Ungleichheit und für die (Menschen-)Rechte von Frauen* und Kindern zu engagieren, ist in meiner Kindheit und Jugend durch eine Mischung aus Bewunderung für und konstruktivem Ringen mit weiblichen wie männlichen Vorbildern aus Ost und West in Familie, Schule und Gemeinde geprägt worden. Das Wissen aus Psychologie und Erziehungs- und Geschichtswissenschaft und die praktischen Erfahrungen aus der sozialen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern sowie Erzieher*innen bildeten die Grundlage für die Entscheidung, mich in einer Frauenberatungsstelle zu engagieren. Frauenberatung ist für mich ein Ort der Anerkennung der verschiedenen individuellen und strukturellen Verletzlichkeiten von Frauen*/LBTIQ+ verbunden mit der Möglichkeit, an der Veränderung diskriminierender Bedingungen in der einzelnen Geschichte wie auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen mitzuwirken.

Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?

Das psychosoziale und rechtliche Beratungsangebot der Frauenberatungsstelle richtet sich an alle Frauen*/LBTIQ+ ab 18 Jahren in Bielefeld und der näheren Umgebung. Frauen*/LBTIQ+ können sich bei sozialen, psychischen und rechtlichen Problemen und in Krisensituationen an die Frauenberatungsstelle wenden. Beratungsanlässe sind Probleme in der Beziehung/ Ehe und Fragen zu Trennung/Scheidung, Erziehungsprobleme, berufliche Probleme wie z.B. Arbeitsplatzverlust, Mobbing, Ängste, Depressionen, Isolation und Kontaktschwierigkeiten. Ein Schwerpunkt in der Beratung ist die psychosoziale Unterstützung nach aktuellen und/oder vergangenen Gewalterfahrungen und deren Folgen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Weltweit Gleichberechtigung auf allen gesellschaftlichen Ebenen rechtlich umsetzen, Geschlechter-, Generationengerechtigkeit und Gewaltfreiheit als Grundlage für ein gutes Leben im kollektiven Bewusstsein verankern.

Melanie Rosendahl

Der Frauennotruf Bielefeld e.V. ist eine Beratungsstelle für Mädchen und Frauen aller Nationalitäten ab 16 Jahren, die eine (versuchte) Vergewaltigung, Stalking oder andere sexualisierte Gewaltformen erleben mussten oder müssen.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Mädchen und Frauen einzusetzen?

Ich habe mich schon während meiner Schul- und Studienzeit mit frauenspezifischen Themen beschäftigt, die faktische Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin auch heute noch immer wieder erschüttert, wie systematisch patriachale Strukturen Mädchen und Frauen benachteiligen und Gewalt gegen Frauen als Mittel der Unterdrückung eingesetzt wird - bei uns in Deutschland und Weltweit.

Wie sieht die Unterstützung für Mädchen und Frauen in Ihrer Einrichtung aus?

Wir bieten telefonische und persönliche Beratungen, sowie E-Mail- und Chat- Beratungen über die sichere Beratungsplattform Aygonet an.

Außerdem begleiten wir die Frauen, z.B. zur Polizei und bieten psychosoziale Prozessbegleitung an.

Unsere Angebote sind vertraulich, kostenlos und auf Wunsch anonym. Muttersprachliche Angebote für russisch- bzw. türkischsprachige Frauen, eine weitgehende Barrierefreiheit unserer Beratungsräume und Homepage sowie die zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit sollen Frauen ermutigen, sich Unterstützung zu suchen und helfen, Zugangsbarrieren zur Beratungsstelle abzubauen oder zu mindern.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Mädchen und Frauen von heute auf morgen ändern?

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, nur ja heißt ja, sollte in allen Köpfen eine Selbstverständlichkeit sein.

Das AWO Frauenhaus bietet gewaltbetroffenen Frauen und deren Kindern Schutz.

Kurzfristig geht es darum, im Sinne einer Krisenintervention, die Familie zu stabilisieren. Mittelfristig sollen Frauen gestärkt und durch die Mobilisierung eigener Kräfte und Ressourcen für ein Leben ohne Gewalt unterstütz werden. Langfristig geht es darum, mit der Frau und ihren Kindern eine individuelle gewaltfreie Zukunft zu Planen und zu gestalten.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?

Ich habe immer wieder mitbekommen, dass Frauen in engen Beziehungen und in ihrem sozialen Nahraum, Gewalt erleben. Frauen sind auch im Jahr 2021 noch nicht gleichberechtigt, besonders in Partnerschaften. Das ist ein universelles Problem. Es spornt mich an, Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, damit sie ein Leben nach ihren Vorstellungen und Wünschen führen können.

Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?

Wir sind primär eine Einrichtung die Zuflucht und Schutz gewährt, wir bieten neben Krisenintervention und Hilfe eine Wohnmöglichkeit mit Übergangscharakter. Schutz vor Gewalt bedeutet, über die Erfahrung einer sicheren Unterkunft und eines geschützten Rahmens zur Ruhe zu kommen: Frauen erhalten hier Raum, Zeit und Möglichkeit, in räumlicher Distanz zur gewaltausübenden Person und ohne äußeren Druck ihre weiteren Entscheidungen planen und überdenken können.

In der Beratung arbeiten wir nach dem systemischen Ansatz. In Beratungsgesprächen werden Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten erörtert. Ausgangs- und Schwerpunkt der Beratung ist, die Ressourcen der Frau gemeinsam wieder zu entdecken und zu stärken. So kann sie ihr Leben, die Zukunft für sich und die Kinder wieder selbst in die Hand nehmen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?

Ich wünsche mir, dass der Schutz in einem Frauenhaus für alle Frauen und ihren Kindern, kostenlos und unabhängig vom Aufenthaltsstatus möglich ist.

8. März - Internationaler Frauentag

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2021 stellt die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld drei Fragen an Anke Unger, DGB-Geschäftsführerin in Ostwestfalen-Lippe.

Welche Bedeutung hat der Internationale Frauentag für Sie persönlich?
Mich bewegt dieser Tag jedes Jahr, weil die Solidarität unter Frauen an diesem Tag besonders deutlich wird. Seit über hundert Jahren steht der Internationale Frauentag für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Wir haben schon viel erreicht, aber leider haben Frauen bis heute in vielen Bereichen immer noch nicht dieselben Chancen wie Männer. Da haben wir noch viel zu tun!

Der Internationale Frauentag wurde 1911 zum ersten Mal ins Leben gerufen im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Wofür gilt es heute zu kämpfen?
Wo Frauen bisher strukturell benachteiligt waren, wie bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen, haben sich die Gräben leider in der Pandemie Situation noch vertieft. Frauen arbeiten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen. Sie sind mit Einkommenseinbußen konfrontiert durch Freistellung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Und sie übernehmen den überwiegenden Teil der Haus- und Familienarbeit und reduzieren dafür ihre Arbeitszeit. Kurz: Auf den Schultern der Frauen lasten hohe Gesundheitsrisiken, wachsender finanzieller Druck, zusätzlicher Betreuungsaufwand und vermehrte Arbeit im Haushalt. Das darf nicht sein!

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen, die in Deutschland leben, von heute auf morgen ändern?
Ich wünsche mir, dass die frauendominierten Berufe in der Pflege, Erziehung und in den sozialen Dienstleistungen nicht mehr nur anerkennend beklatscht werden, sondern endlich besser bezahlt werden!

Anke Wiegräbe

Beratung - Zuflucht und Schutz - Treffpunkt für Mädchen und Frauen in Bielefeld

Das Frauenkulturzentrum e.V. wurde bereits 1984 von einer Gruppe von Frauen ins Leben gerufen. Bis heute ist es ein Treffpunkt für Frauen* mit unterschiedlichsten Hintergründen mit dem Ziel, einen sicheren Raum von und für Frauen zu schaffen. Dabei sind Frauen jeglichen Alters, jeglicher sexuellen Orientierung oder Herkunft willkommen. Bei Fragen und Problemen rund um das Thema Gleichberechtigung, (sexueller) Identität und Coming-Out, queerpolitische Diskurse oder Gewalterfahrung bietet das FraZe Unterstützung, Austausch und Beratung an und ist somit einzigartig in OWL und ein fester Bestandteil der
Bielefelder Frauen-Lesben-Kultur.


Was hat sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen?
Die eigene Betroffenheit, sowie die Erkenntnis, dass Frauen in dieser Gesellschaft für viele
Dinge, die Männer als selbstverständlich erachten, sehr hart kämpfen müssen.

Wie sieht die Unterstützung für Frauen in Ihrer Einrichtung aus?
Ein Bewusstsein zu schaffen für strukturelle Benachteiligungen und diese durch Öffentlichkeitsarbeit und im persönlichen Kontakt abzubauen. Den Frauen mehr Selbstvertrauen zu generieren und ihnen mit niedrigschwelliger Beratung in jedlicher Lebenssituation hilfreich zur Seite zu stehen.

Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Frauen von heute auf morgen ändern?
Das alle Frauen und Mädchen ein selbstbestimmtes Leben mit einer realen Gleichberechtigung
führen können.