Stadtradeln 2021

Stadtradeln 2020

Bielefeld ging zum zehnten Mal an den Start und viele, viele radelnde Teilnehmer*innen in vielen bunten Teams waren mit dabei.

Hervorragende 974.809 Fahrradkilometer – so viele wie noch nie - wurden von 4.998 aktiven Teilnehmer*innen dokumentiert. Entsprechend viele Auto Kilometer hätten die Atmosphäre mit 143 Tonnen CO2 belastet.
255 Teams (Familien, Betriebe, Vereine, Schulklassen, Nachbarschaften) haben in den drei Aktionswochen viele Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, dokumentiert und damit ein Zeichen für Klimaschutz, Radförderung und Lebensqualität gesetzt.
Neben kleinen sportlichen Wettbewerben zwischen den Teams sorgt das STADTRADELN immer auch für viel Spaß, gesunde Bewegung und Gesprächsstoff rund ums Radfahren. Teilnehmende motivieren Menschen in ihrem Umfeld (mehr) Wege mit dem Fahrrad statt dem Auto zu erledigen.
Bei der jährlichen Aktion STADTRADELN des Klimabündnisses und der Stadt Bielefeld konnten wieder alle mitmachen, die in Bielefeld leben, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen. Im Rahmen des internationalen Städtewettbewerbs traten die Teams in die Pedale, um möglichst viele Kilometer beruflich und privat CO2-frei mit dem Rad zurückzulegen.
Angesichts der Corona-Situation gab es in diesem Jahr keine gemeinsamen Veranstaltungen oder geführte Radtouren. 

Besondere Team- und Teilnehmer*innen-Ergebnisse, die eine Auszeichnung erhalten, werden noch ermittelt und bekanntgegeben.

Während für Bielefeld das diesjährige STADTRADELN beendet ist, sind weiterhin bis Ende September zahlreiche Kommunen aktiv. Erst dann zeigt sich, welchen Platz Bielefeld im bundesweiten Ranking belegt.

Radelmeter

STADTRADLER*innen, die sich die App „BIE a Hero!“ herunterladen, können bei der Klimaschutz-Aktion der Stadtwerke für Ihre Anmeldung beim STADTRADELN zusätzlich Klima-Punkte einlösen. Pro 200 Punkte pflanzen die Stadtwerke einen Baum und forsten somit den Stadtwerke-Wald und den Stadtwald auf. 
Alle Infos.
 

Die lokale STADTRADEL-Koordinatorin vom Umweltamt, Anke Egging, hat ein Gespräch mit Stefan Mielke, dem diesjährigen STADTRADEL-STAR, geführt. Er erklärt seine besondere Rolle im Wettbewerb: 

Anke Egging: „Stefan Mielke, Du bist der STADTRADEL-STAR 2021! Was bedeutet das? Was macht ein STADTRADEL-STAR?“

Stefan Mielke: „Viel wichtiger ist, was ein STADTRADEL-STAR nicht macht! Im Rahmen des Bielefelder STADTRADELN fahre ich in den drei Wochen bis zum 20. Juni nicht nur ganz viel Fahrrad und trage die Kilometer beim Städtewettbewerb online ein, sondern ich sehe in den drei Wochen des Aktionszeitraums auch kein Auto von innen. Ich lasse meinen PKW komplett stehen und lege jeden Weg mit dem Rad zurück. Falls das nicht möglich ist, dann darf ich auch Bus oder Bahn nehmen.“

AE: „Du hast dich ja freiwillig bei der Stadt gemeldet, diese Aufgabe zu übernehmen. Warum?“

SM: „Ich habe wirklich Lust dazu, zu zeigen, dass man sich mit dem Fahrrad als echte Alternative fortbewegen kann, auch wenn man nicht zentrumsnah wohnt und arbeitet. Zum anderen bin ich erschrocken, wenn ich aus meinem Arbeitszimmer auf den Teutoburger Wald schaue. Dann sehe ich direkt vor meiner Tür die unübersehbaren Auswirkungen des Klimawandels. Dagegen möchte ich aktiv etwas unternehmen und habe mich deshalb entschieden, wann immer es geht, mein Fahrrad zu nutzen. Mit diesem Handeln möchte ich ganz persönlich die Verkehrswende unterstützen.“

AE: „Wie hast Du dich auf deine Zeit als STADTRADEL-STAR vorbereitet?“

SM: „Eine besondere Vorbereitung war nicht nötig, da ich generell viel mit dem Rad unterwegs bin. Wichtig war für mich die Zusage meiner Frau, dass sie mir ab und an ihr E-Bike und ihre Spezialfahrradtasche zum Transport meiner Hemden leiht.“

AE: „Was schätzt Du, wie viele Kilometer werden am Ender der drei Wochen zusammengekommen sein? Und wie viele davon ersetzen Autofahrten?“ 

SM: „Es werden circa 750 Fahrradkilometer zustande kommen. In der Regel fahre ich dreimal die Woche mit dem Auto ins Büro, dazu kommen noch private Fahrten. Ich denke, dass ich etwa 400 Kilometer Autofahrten sparen werde.“

AE: „Hast Du mehrere Fahrräder für unterschiedliche Gelegenheiten?“

SM: „Ja, ich besitze zwei Räder. Ein auf mich angefertigtes Reiserad was von einem kleinen aber feinen Fahrradfachgeschäft nach meinen Ideen und Vorgaben gebaut wurde. Weiterhin besitze ich ein MTB, welches ich gerne auf dem Hermannsweg nutze. Ehrlicherweise habe ich mir auch ein paarmal das E-Bike meiner Frau geliehen, insbesondere zum Transport von schweren Einkäufen und für meine gebügelten Oberhemden für die Bank.“

AE: „Wie können die Menschen in Bielefeld erfahren, wie es Dir in den drei Wochen ohne Auto ergeht?“

SM: „Ich berichte regelmäßig über meine ErFAHRungen. Dies wird im STADTRADEL-Blog (Anm.: www.stadtradeln.de/blog) aber auch auf den FB und Instagram Seiten von mir und dem Verein ‚Fahrräder bewegen Bielefeld‘ geschehen.“

 

AE: „Der Verein hat kürzlich einen Preis gewonnen? Was bewegst Du mit ‚Fahrräder bewegen Bielefeld‘?“

SM: Unser Verein ‚Fahrräder bewegen Bielefeld e.V.‘ wurde Anfang 2015 -gegründet. Seitdem werden in Bielefeld reparaturbedürftige Räder eingesammelt und von unseren Vereinsmitgliedern zusammen mit den Fahrradempfängern (Bedürftige, Geflüchtete, Schulkinder) aufgearbeitet und dann gegen einen geringen Kostenbeitrag vergeben. Mehrere Geflüchtete sind in das Vereinsleben integriert.“ (Anm.: https://fbb.bike/ueber-uns/)

AE: „Was wünscht Du Dir von den Bielefelder*innen in Bezug auf das STADTRADELN und die Mobilität allgemein?“

SM: „Ich wünsche mir, dass Radfahren als eine tatsächliche Möglichkeit der (nachhaltigen) Mobilität wahrgenommen wird. In den drei Wochen möchte ich den Beweis antreten, dass Fahrradmobilität in Bielefeld möglich ist - auch, wenn der Teutoburger Wald zwischen dem Start- und Zielpunkt liegt. Und ich möchte beweisen, dass das Fahrrad auch bei einem Bürojob opportun ist.“

AE: „Welche Rolle spielt dabei aus deiner Sicht die Politik, insbesondere die Kommunalpolitik?“

SM: „In der Gesellschaft (und auch in Bielefeld) gibt es eindeutig neue Anforderungen an die Mobilität. Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine attraktive Innenstadt und eine zeitgemäße Infrastruktur. Dies betrifft neben dem Straßensystem natürlich auch den ÖPNV und das Angebot für Fahrradfahrer.

Viele Menschen (so wie ich) wünschen sich einen sorgsamen und nachhaltigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen und möchten aktiv daran teilnehmen. Das Fahrrad ermöglicht dies und schafft darüber hinaus Mehrwerte wie die Steigerung des eigenen Wohlbefindens und der Gesundheit. Auch sucht man eine Alternative zu ständig verstopften Straßen.

Kurzum und unbestritten: Deutschland ist im Fahrradboom. Dies zeigen die stetig steigenden Absatzzahlen - auch von hochwertigen Rädern! Dies haben auch Firmen wie BMW und VW erkannt, die zum einen das Jobradeln/ Fahrradleasing ihrer Mitarbeitenden aktiv unterstützen, aber dies auch in ihre eigene Geschäftspolitik integriert haben.

Hier gilt es diesen Boom für Bielefeld mitzunehmen und insbesondere auch den Wunsch vieler Menschen nach anderer Mobilität und mehr Nachhaltigkeit zu hören.

Eine wichtige Aufgabe der Politik wird es sein, die verschiedenen Mobilitätsangebote zu koordinieren. Für mich steht fest, dass eine Welt ohne Auto schwer vorstellbar ist. Gleichzeitig steht für mich fest, dass im Bereich Fahrrad noch eine große Wegstrecke von Bielefeld liegt. Dies betrifft nicht nur das Radwegesystem, sondern auch intelligente Systeme, wie die verschiedenen Verkehrsmittel sinnvoll kombiniert werden können. Ebenso gehören für mich zeitgemäße Abstellanlagen (auch für E-Bikes) dazu.“

AE: „Lieber Stefan, herzlichen Dank für Dein Engagement mit dem Du die Stadt Bielefeld beim STADTRADELN so motiviert vertrittst. Ich wünsche Dir für Deine Botschaft gute Sichtbarkeit und für Deine ehrenamtlichen Aktivitäten viel Erfolg. Vielen Dank für das Interview.“