Straßenbaumkonzept für Bielefeld

Straßenbäume sind wichtig für Bielefeld. Bereits heute sind vielfältige positive Wirkungen von Straßenbäumen in Bielefeld erlebbar. Das Potenzial ist aber bei weitem nicht ausgeschöpft, denn in vielen Straßen fehlen Bäume. Welche Herausforderungen gibt es zu meistern, um Bielefelds Straßen grüner werden zu lassen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, hat die Stadt Bielefeld das Planungsbüro gruppe F | Freiraum für alle GmbH aus Berlin beauftragt, ein Straßenbaumkonzept für Bielefeld zu erarbeiten.

Ein wesentlicher Baustein zur Erarbeitung des Konzepts ist die Einschätzung der Straßenbaumsituation durch die Bewohner*innen. Rund 860 Bielefelder*innen haben sich vom 24. Juni bis zum 15. August 2021 über eine Online-Beteiligungsplattform über das Straßenbaumkonzept informiert und zahlreiche Hinweise eingereicht. Die Ergebnisse der Online-Beteiligung werden anlässlich des Park(ing) Days am 17. September 2021 von 12 bis 19 Uhr am Altstädter Kirchplatz vorgestellt. Die Hinweise fließen weitestgehend als umsetzbare Maßnahmen für die Straßenbäume der Stadt Bielefeld in das Konzept ein.

Straßenbäume sind ein wirksames Element sowohl für den Klimaschutz als auch zur Klimaanpassung, also der Anpassung der Stadt an die Folgen des sich wandelnden Klimas. Sie filtern Staub aus der Luft und kühlen durch Schattenspende und Verdunstung den Straßenraum. Somit lassen sich Hitze und starke Sonneneinstrahlung besser aushalten; Regen kann zur Bewässerung der Bäume vor Ort versickert werden anstatt in die Kanalisation zu laufen. Hinzu kommt: Je dichter das Netz der Straßenbäume ist, desto mehr Verknüpfungseffekte ergeben sich auch für die Lebensräume von Tieren. Darüber hinaus tragen sie wesentlich zur Lebensqualität bei und stärken die Identifikation der Bewohner*innen mit ihrer Stadt.

In seiner ökologischen Bedeutung und hohen Klimafunktion ist jeder gesunde Bestandsbaum einer Neupflanzung überlegen und zu schützen. Daher ist es wichtig, einerseits die Bedingungen im Bestand zu verbessern und andererseits optimale Voraussetzungen für Neupflanzungen zu schaffen.

Mehr Straßenbäume erfordern eine sorgsame Planung, um die Funktionen der Straßen möglichst ungestört zu erhalten. Dabei sind verschiedene Fragestellungen zu beachten: 

  • Wie viel Fläche braucht ein Straßenbaum um sich gut entwickeln zu können?
  • Ist in einer Straße genügend oberirdischer und unterirdischer Raum für eine Baumpflanzung vorhanden?
  • Was muss beachtet werden im Umgang mit den unterirdischen Leitungen
  • Welche Arten von Verkehr führen durch eine Straße?
  • Wie lassen sich Verkehr und Bäume in einer Straße miteinander vereinbaren?
  • Welche Baumarten sind geeignet und kommen mit den Folgen des Klimawandels gut klar? 
  • Wie müssen die Bäume gepflegt werden?

Bei all diesen Fragen soll zudem die gestalterische Qualität des Straßenbildes gefördert werden.

Straßenbäume betreffen unterschiedliche Fachämter der Bielefelder Stadtverwaltung sowie weitere lokale Institutionen. Eine wesentliche Zielstellung des Straßenbaumkonzepts ist es daher, die Planungsabläufe zur Sicherung und Erweiterung des Straßenbaumnetzes durch einheitliche Regelungen zu optimieren. So kann nicht allein die Menge an Straßenbäumen erhöht, sondern ebenfalls die Standortqualität für die Bäume verbessert werden. Vereinbarungen zu einer klimaangepassten Artenauswahl sowie zu den Anforderungen und Möglichkeiten einer adäquaten Pflege sind gemeinsam zu treffen. Der Auftakt zur Mitwirkung aller betroffenen Stellen hat mit einem fachämterübergreifenden Workshop Anfang Juni begonnen.

Rund 860 Bielefelder*innen haben bereits die Gelegenheit genutzt, sich zu informieren und an der Erarbeitung des Konzepts mitzuwirken - besonders viele Teilnehmer*innen kommen aus Mitte (circa 51 Prozent). Vom 24. Juni bis zum 15. August 2021 haben sie über eine Online-Beteiligungsplattform zahlreiche Hinweise eingereicht.

Die Planer*innen wollten u.a. wissen: Wo fehlen Straßenbäume, welche Bäume sollten besonders geschützt werden und wo werden sie hingehen als störend empfunden? Welche Wege werden an heißen Sommertagen als angenehm schattig empfunden, welche sind zu heiß und sonnig? Es wurden zahlreiche Hinweise in der interaktiven Karte markiert – darunter allein 2831 Standorte und 865 Straßenzüge, an denen Straßenbäume fehlen.

Es stellte sich heraus, dass den Bielefelder*innen bei der Artenauswahl für Neupflanzungen besonders wichtig ist, dass sie hitzeresistent, schattenspendend und heimisch sind. Es wurden lediglich 20 störende Straßenbäume markiert.

Die Ergebnisse verraten: die Bielefelder*innen haben Lust auf mehr Straßenbäume, sogar, wenn PKW-Stellplätze dafür wegfallen müssen. Dafür wollen sie sich auch aktiv einbringen. 55 Teilnehmer*innen gaben an, sich bereits für Straßenbäume zu engagieren. Über 200 Personen möchten sich zukünftig um das Gießen eines Straßenbaums kümmern, 192 für eine Neupflanzung spenden und 134 Personen sogar eine Baumscheibe bepflanzen.


Das Interesse für Straßenbäume ist in Bielefeld sehr hoch. Dafür spricht die hohe Zahl der Teilnehmenden an der Befragung. Zugleich wurde vielfach der Wunsch geäußert, auch weiterhin und dauerhaft zum Thema Straßenbäume informiert zu werden. Insgesamt 388 Personen sprachen sich für eine interaktive Karte und 105 Personen für mehr Informationsveranstaltungen zum Thema aus.

Die Ergebnisse der Online-Beteiligung werden anlässlich des Park(ing) Days am 17. September in Bielefeld vorgestellt und gemeinsam mit den Bürger*innen im Hinblick auf das weitere Vorgehen diskutiert.

Der Park(ing) Day ist ein seit 2005 bestehender, internationaler Aktionstag, an dem Parkplätze im öffentlichen Straßenraum temporär umgewidmet werden, z. B. als grüne Oase oder Nachbarschaftstreffpunkt. Die Idee geht auf das Art- und Designstudio Rebar Group aus San Francisco zurück. Den Park(ing) Day nehmen wir uns zum Anlass, um auf das Potenzial von Parkplätzen für die Neupflanzung von Straßenbäumen und auf das Mehr an Aufenthaltsqualität, das damit einhergeht, aufmerksam zu machen.

Von 12 bis 19 Uhr werden mehrere Parkplätze am Altstädter Kirchplatz zu einem temporären „Park“. Die Planer*innen von gruppe F stellen die Ergebnisse der Online-Beteiligung und der bisherigen Analysen aus und freuen sich, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Vertreter*innen aus dem Umweltamt und dem Umweltbetrieb informieren über Baumpatenschaften und stehen für Ihre Fragen zur Verfügung. Kommen Sie vorbei!