Auf dem Weg zur Klimaneutralität im Umweltbetrieb
| Bielefeld (bi)
Auch in Bielefeld werden die Auswirkungen der zunehmenden Erderwärmung durch den menschengemachten Klimawandel deutlich. Die Verantwortung zum Gegensteuern liegt auf vielen Ebenen – auch bei den Kommunen. „Der Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld ist innerhalb der Stadtverwaltung ein relevanter Emittent von Treibhausgasen und steht daher in der Verantwortung, schädliche Treibhausgase bestmöglich zu reduzieren, um die Herausforderung der Klimaneutralität weiter voranzutreiben“, sagt Martin Adamski, Umweltdezernent der Stadt Bielefeld. „Ich bin daher sehr stolz, sagen zu können, dass der UWB bereits viel unternimmt, CO2-Emissionen einzusparen. Aber wir wissen auch: Da geht in den nächsten Jahren noch mehr.“ Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Umweltbetrieb stehen insbesondere der Fuhrpark und die Kläranlagen im Fokus.
Um zu ermitteln, wie der Status quo der Treibhausgasemissionen des Umweltbetriebs (UWB) aussieht, hat der UWB exemplarisch für das Jahr 2023 eine Klimabilanz für den Betrieb erstellen lassen. Begutachtet wurden dabei die Bereiche, auf die der UWB einen direkten Einfluss hat: Fuhrpark, Abwasserbehandlung und Gebäudemanagement. Insgesamt lag der Wert der Treibhausgasemissionen für das Jahr 2023 bei 7.165 Tonnen. Zum Vergleich: Der CO2-Ausstoß allein bei der Verbrennung des Restmülls der Bielefelderinnen und Bielefelder liegt bei ca. 16.500 Tonnen.
Ausstieg aus fossilen Antrieben
Der Fuhrpark und die Kläranlagen inklusive Kanalnetz sind mit 87 Prozent erwartungsgemäß die Bereiche mit den höchsten Emissionen. „Wir setzen dort an, wo wir die größte Wirkung erzielen: beim schrittweisen Ausstieg aus fossilen Antrieben in unserem Fuhrpark und durch nachhaltige Investitionen in unsere Kläranlagen“, erläutert Dr. Clemens Pues, kaufmännischer Betriebsleiter des UWB.
Der Fuhrpark des UWB umfasst aktuell 579 Fahrzeuge (für das Betrachtungsjahr der Klimabilanz waren es 2023 567 Fahrzeuge). 69 davon fahren bereits heute mit alternativen Antrieben. „Wir richten unsere Fuhrparkstrategie technologieoffen und ganzheitlich auf den schrittweisen Umstieg zu alternativen Antrieben aus“, so Pues.
Ausbau der Ladeinfrastruktur
Bereits jetzt sind am Hauptstandort des UWB 24 Ladesäulen für E-Fahrzeuge installiert. Damit ist die vorhandene Netzanschlusskapazität des Betriebshofs ausgeschöpft. Bevor weitere E-Fahrzeuge angeschafft werden können, muss die Netzanschlussleistung erweitert werden. Der entsprechende Bedarf wurde daher beim Energielieferanten angemeldet. Die notwendigen Arbeiten in der Finkenstraße sowie Herforder Straße im Auftrag der Stadtwerke haben jetzt im Februar begonnen.
Als ergänzende Maßnahme zur E-Mobilität plant der UWB ein Pilotprojekt zum Einsatz von Hydrotreated Vegetable Oils (HVO100) als Dieselersatzkraftstoff. Bevor dieser Kraftstoff im UWB zum Einsatz kommen kann, müssen zunächst noch genehmigungsrechtliche und technische Fragen geklärt werden. Voraussetzung für den Einsatz ist auch, dass die Kraftstoffe eine nachhaltig zertifizierte Herkunft haben.
Nachhaltige Investitionen in Kläranlagen
Nach der novellierten EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) ist der UWB verpflichtet, die Kläranlagen bis spätestens 2045 energieneutral zu betreiben. In Bielefeld werden derzeit 58 Prozent des Strombedarfs der Kläranlagen durch die Eigenerzeugung mit Blockheizkraftwerken (BHKW) gedeckt. Damit erfüllen die Bielefelder Kläranlagen bereits jetzt das für 2035 gesetzlich normierte Ziel. „Das Gesamtziel, bis 2045 energieneutral und perspektivisch zudem klimaneutral zu arbeiten, ist auch für die Bielefelder Kläranlagen ambitioniert“, betont Pues.
Um das Ziel der Energieneutralität der Kläranlagen bestmöglich zu erreichen, setzt der UWB auf eine Kombination verschiedener Strategien und technischer Maßnahmen. In den kommenden Jahren stehen daher einige wichtige Investitionen auf den Kläranlagen bevor. Eine Maßnahme ist, dass der bestehende Energieverbrauch reduziert wird. So ist zum Beispiel ein Zukunftsprojekt für den Standort Heepen, ein energieeffizienteres System für die Belüftung der biologischen Reinigungsstufe einzusetzen. Um den Energiebedarf für die Abwasserbehandlung zu decken, wird der UWB außerdem in den nächsten Jahren Photovoltaik-Anlagen auf Dächern oder verfügbaren Freiflächen der Kläranlagen bauen. Auch die Nutzung von Abwasserwärme wird derzeit geprüft.
Der Weg zur Klimaneutralität
Die im Jahr 2024 erstellte Klimabilanz für den UWB beinhaltete nicht nur eine Erfassung des Status quo. Die Klimabilanz skizziert auch drei beispielhafte Szenarien für den Weg zur Klimaneutralität.
In dem Szenario „neutraler Strom“ wurde die Auswirkung berechnet, die sich dadurch ergibt, dass der verwendete Strom weitestgehend durch Nutzung erneuerbare Energien erzeugt wird. In den nächsten Jahren wird sich der Strommarkt durch den bundesweiten Ausbau der Erneuerbaren nach und nach wandeln. Der UWB wird diese Entwicklung begleiten, indem er auf eigenen Flächen PV-Anlagen errichtet. Wenn zusätzlich die gesamte Fahrzeugflotte des UWB auf Elektrofahrzeuge umgestellt wird, kann eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 81 Prozent erreicht werden (Szenario „neutraler Strom und Fahrzeuge“). Durch die vollständige Umstellung der Wärmeerzeugung auf Fernwärme und Wärmepumpen lassen sich die Treibhausgasemissionen des UWB im Vergleich zu 2023 um mehr als 88 Prozent senken (Szenario „neutral gesamt“).