Erinnerungskultur: „Lesen gegen das Vergessen“

| Bielefeld (bi)

„Lesen gegen das Vergessen“ prägt seit nunmehr zwölf Jahren die Bielefelder Erinnerungskultur zum „Tag der Befreiung“ vom Nationalsozialismus. Mit zwei Veranstaltungen erinnert die Initiative an Autorinnen und Autoren, die in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt, vertrieben und ermordet wurden und an deren Werke, die im Frühjahr 1933 bei den Bücherverbrennungen zerstört wurden.

Die Veranstaltungen finden statt am Mittwoch, 29. April, um 19 Uhr in der Zentralbibliothek am Neumarkt und am Freitag, 8. Mai, um 15 Uhr vor dem Alten Rathaus. Der Eintritt zu beiden Lesungen ist frei.

In diesem Jahr ist der Themenschwerpunkt beider Lesungen „Junge Menschen erleben den Faschismus". Mit der Auswahl der Texte wird die Jugend in der NS-Zeit nachvollziehbar. Erinnert wird an Widerständige, versteckt Überlebende und Ermordete, aber auch an überzeugte Anhängerinnen und Anhänger und Ideologiegeprägte. Passend zu diesem Thema tragen Schülerinnen und Schüler der Laborschule, der Hans-Ehrenberg-Schule und der Luisenschule teilweise die Texte vor. Die Texte stammen unter anderen von Erika Mann, Margarete Hannsmann, Lise Löwenthal, Ruth Klüger, Ilse Losa, Tova Friedmann, Selma Meerbaum, Sigrid Lichtenberger aus Bielefeld und Karla Raveh aus Lemgo.

Hintergrund: Die Initiative „Lesen gegen das Vergessen" und die Bücherverbrennung 1933

Am 10. Mai 1933 organisierte in Berlin und anderen Orten der Verband Deutsche Studentenschaft die Bücherverbrennungen. In Bielefeld fand eine erste Bücherverbrennung schon fast zwei Monate früher (am 13. März)  statt. Sie war hier Bestandteil der radikalen Verfolgung aller Nazi-Gegner und ihrer Organisationen sowie der Vernichtung ihrer Symbole unmittelbar nach den letzten freien Wahlen vom 5. März 1933. Die geschmähten Autorinnen und Autoren verloren ihre Existenzgrundlagen und ihre sozialen Beziehungen, wurden ins Exil vertrieben, deportiert oder ermordet. Innerhalb von drei Wochen wurden im Mai vor 92 Jahren etwa 10.000 Zentner gedruckte Literatur beschlagnahmt und mehr als 3.000 verschiedene Bücher öffentlich vernichtet. Die geschmähten Autorinnen und Autoren verloren ihre Existenzgrundlagen und ihre sozialen Beziehungen, wurden ins Exil vertrieben, deportiert oder umgebracht.

Die Initiative „Lesen gegen das Vergessen" wird in Bielefeld organisiert von Mitgliedern des Künstlerinnenforums bi-owl e.V., Bielefelder Schulen, weiteren engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Parteien und Organisationen. Im Fokus der Initiative liegt die doppelte Diskriminierung von Dichterinnen, Autorinnen und Publizistinnen. Als Frauen hatten sie es im Literaturbetrieb besonders schwer, heute sind die meisten weitgehend vergessen.