Queerer Erinnerungs- und Sichtbarkeitsort geplant
Die Arbeitsgemeinschaft Queere Geschichte Bielefeld beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte queeren Lebens in Bielefeld und hat in der Bezirksvertretung Mitte im April 2026 einen queeren Erinnerungs- und Sichtbarkeitsort auf dem Klosterplatz angeregt.
Arbeitsgemeinschaft organisiert zum Beispiel Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Filmveranstaltungen und arbeiten mit dem Stadtarchiv und dem Historischen Museum zusammen und beteiligen sich an den Bielefelder Erinnerungstagen.
In den vergangenen zwei Jahren haben sie sich intensiv in Workshops mit Menschen aus den queeren Communities zur queeren Geschichte und zu Erinnerungsformaten ausgetauscht.
Hierbei wurde immer wieder deutlich:
- Queere Geschichte und queere Menschen sind Teil der Geschichte dieser Stadt und der Stadtgesellschaft.
- Queeren Menschen ist Unrecht widerfahren und sie sind auch heute wieder vermehrt von Diskriminierung betroffen.
- Es gibt bislang keinen zentralen Ort im öffentlichen Raum, der queeres Leben und die Geschichte sichtbar macht.
Auf dieser Grundlage basiert die Anregung an die Bezirksvertretung Mitte, die dort im April 2026 eine erste positive Resonanz erhielt:
Die AG Queere Geschichte Bielefeld regte an, im Zuge der Neugestaltung des Klosterplatzes einen queeren Sichtbarkeits- und Erinnerungsort zu schaffen.
Hier soll:
- an die Diskriminierung und Verfolgung queerer Menschen erinnert werden
- an ihre Emanzipation, an Selbstorganisation und gesellschaftliche Veränderungen.
- Queere Geschichte soll sichtbar gemacht werden und zugleich soll
- ein klares Zeichen gesetzt werden, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter* und andere queere Menschen selbstverständlicher Teil unserer Stadtgesellschaft sind und immer waren.
Der Klosterplatz ist dafür besonders geeignet, da er nicht nur ein zentraler Ort der Stadt, sondern auch bereits ein Ort queerer Stadtgeschichte ist. Queeres Leben hat hier bereits eine Geschichte und früher und, so wurde es berichtet, war der Platz ein ganz „heißes Eisen“ für die queeren Szenen. Da die queere Geschichte lange Zeit nicht dokumentiert wurde, ist auch dies in Vergessenheit geraten.
- 1981 fand die Abschlusskundgebung der ersten schwulen Demonstration in Bielefeld auf dem Klosterplatz statt – unter dem Motto „Wir sägen am Sexualstrafrecht“.
- In der Umgebung des Platzes gab es über viele Jahre verschiedene Treffpunkte queerer Kultur, etwa Lokale oder Vereinsräume.
- Und erst vor kurzem wurde in der benachbarten Jodokuskirche der traditionelle Gottesdienst zum Christopher Street Day erstmals in einer katholischen Kirche gefeiert.
Durch die Neugestaltung des Klosterplatzes entsteht eine seltene Gelegenheit, einen Erinnerungs- und Sichtbarkeitsort von Anfang an mitzudenken und in das Gesamtkonzept zu integrieren.
- Ein Baum mit einer umlaufenden Sitzbank in Form eines „Q“.
Der Baum kann sich durch seine Art von den anderen Bäumen unterscheiden – unser Vorschlag ist eine Kupfer-Felsenbirne. - Die Bank bildet ein Q als Zeichen für „queer“.
Ein Teil der Bank wäre farblich gestaltet und mit einem QR-Code versehen, über den Besucher*innen Informationen zur queeren Geschichte Bielefelds und zu diesem Ort abrufen können. - Es soll ein Ort entstehen, der mehrere Funktionen verbindet:
Der Sichtbarkeitsort soll ein Anlaufpunkt für zivilgesellschaftliche Angebote sein – etwa für Gedenkveranstaltungen oder als Station queerer Stadtführungen – und damit zur lebendigen Nutzung des Platzes beitragen.
Es soll ein Platz zum Sitzen, zum Treffen, zum Erinnern und zum Informieren – ein attraktives Gestaltungselement also, das den Klosterplatz auch kulturell bereichert.
Die konkrete Ausgestaltung soll gemeinsam mit Verwaltung, politischen Gremien und den beteiligten Akteur*innen weiterentwickelt werden. Die Visualisierungen ist als Startpunkt für diese Abstimmung zu verstehen.
- Viele Städte in Deutschland und international haben bereits solche Orte geschaffen und setzen damit sichtbare Zeichen für Erinnerung, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalts. Auch für Bielefeld als weltoffene Universitätsstadt wäre ein solcher Ort ein starkes Signal – nach innen für die Stadtgesellschaft und nach außen für das Bild der Stadt. Gerade in einer Zeit, in der queere Menschen im öffentlichen Raum wieder häufiger Diskriminierung erleben, auch in Bielefeld, wäre ein sichtbarer Erinnerungsort ein klares Bekenntnis.
- Für die Finanzierung würde ein Antrag an das Land Nordrhein Westfalen gestellt, das mit dem Heimat-Fond die Schaffung von Gedenkorten unterstützt. Der queere Erinnerungs- und Sichtbarkeitsort in Bielefeld käme dafür in Frage. Darüber hinaus müssten Spende gesammelt werden.
Mit der Neugestaltung des Klosterplatzes ist die Chance vorhanden, einen solchen Ort zu schaffen.