Behinderung und LSBTIQ*

Im Aktionsplan LSBTIQ* in Bielefeld ist als Handlungsaufgabe festgelegt: "Die Ermittlung und Benennung von Lebens- und Problemlagen von LSBTIQ*-Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung wird Teil des städtischen Inklusionsprozesses." Darum kümmern wir uns. 

Aktuelles

Die vollständige Studie ist veröffentlicht auf der Seite NRW LSBTIQ* inklusiv. Hier können auch die Ergebnisse der Tagung vom 20.11.2020 nachgelesen werden.

In Ergänzung und zur weiteren inhaltlichen Arbeit werden zwei dreistündige Workshops am 28.04. und 05.05.2021 angeboten:
 

NRW LSBTIQ* inklusiv – Ideenschmiede 28.04./05.05.
Vielfalt inklusiv – Wie werden wir LSBTIQ* inklusiver?


Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen (LSBTIQ*) mit Beeinträchtigungen werden überdurchschnittlich häufig diskriminiert. So gaben in der Studie „LSBTIQ* inklusiv NRW zu Lebenswirklichkeiten und Problemlagen von LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen (2020)” 87 Prozent der Befragten an, bereits Diskriminierungen in Bezug auf irgendein Merkmal (z. B. sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität, Behinderung, Alter, Einkommen) erfahren zu haben. Im Vergleich dazu erfuhren laut der repräsentativen Befragung „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland” der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) 31,4 Prozent in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung aufgrund eines im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Merkmals.

Die Studie des DIW und der Uni Bielefeld zur Gesundheit von LSBTIQ* (2021) zeigt, dass diese im Vergleich zum Rest der Bevölkerung dreimal häufiger von Burnout und Depression betroffen sind und dass Diskriminierungserfahrungen oft als Ursache anzusehen sind.

Vor diesem Hintergrund laden wir

  • LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen,
  • Vertreter*innen der Behindertenhilfe und der Behindertenselbstorganisationen,
  • Vertreter*innen der queeren Szenen
  • und alle, die sich ansonsten für das Thema interessieren


zu 2 digitalen Workshops ein. Wir wollen die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Formen der Ungleichbehandlung von LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen vertiefen, gemeinsam Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung, zur Förderung der Selbstbestimmung und der sozialen Teilhabe entwickeln sowie die Vernetzung der unterschiedlichen Akteur*innen fördern.

Die Einladung und den Ablauf der vielfältigen Workshops können Sie hier abrufen: Website LSBTIQ inklusiv

NRW LSBTIQ* inklusiv ist ein Projekt zum Thema LSBTIQ* mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen in Nordrhein-Westfalen.

Wir möchten die Lebenslagen und Probleme von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen in Nordrhein-Westfalen ermitteln. Dazu führen wir vom vom 20. Februar bis zum 20. Mai 2020 eine Studie durch.

Bielefeld ist Modellstadt, das heißt, dass Betroffene bei der Durchführung der Studie Unterstützung bekommen können. Außerdem gibt es in Einrichtungen und Werkstätten der Behindertenhilfe Unterstützung durch ein Interviewer-Team, die auch offene Sprechstunden in z.B. Treffs, Wohneinrichtungen und Cafès anbieten.

Trägerverein des Projekts ist die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V. und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI). Die Koordinierung und Leitung läuft in Bielefeld über den Kooperationspartner BIE Queer e.V und der Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld., ein weiterer Kooperationspartner ist queerhandicap e.V. Die Aidshilfe Bielefeld e.V. und die Fachhochschule Sozialwesen in Bielefeld unterstützen das Projekt.

Vom 20. bis 21. November 2020 hat der Fachtag, bei dem die Auswertung der Studie vorgestellt wurde, stattgefunden.

„Lebenswirklichkeiten und Problemlagen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter*, und queeren Menschen (LSBTIQ*) mit Behinderung, chronischer Erkrankung, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen”

Das Kooperationsprojekt NRW LSBTIQ inklusiv hat 2020 erstmalig eine umfassende Studie zu „Lebenssituationen und Problemlagen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Menschen (LSBTIQ*) mit Behinderung, chronischer Erkrankung, psychischen und sonstigen Beeinträchtigungen” durchgeführt. Die Ergebnisse werden differenziert auf einer digitalen Fachtagung am 20. November 2020 vorgestellt.

Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen fördert das Kooperationsprojekt NRW LSBTIQ* inklusiv in Trägerschaft der LAG Lesben in NRW e.V. seit 2019.
Die Ergebnisse zeigen differenziert, dass LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen überdurchschnittlich häufig Stigmatisierung erleben und Mehrfachdiskriminierungen ein prägender Teil ihrer Biographie und ihrer Lebenswirklichkeit sind.
So erlebten insgesamt 85 % der befragten Personen bereits Diskriminierungen in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder Beeinträchtigung:

  • Hinsichtlich der sexuellen Orientierung wurden am häufigsten queere Menschen (71 %) diskriminiert. Queer ist einerseits ein Sammelbegriff für LSBTI* und andererseits bezeichnen sich Menschen als queer, die sich nicht durch diese Kategorien einengen lassen wollen. Aber auch zwei Drittel der schwulen, 56 % der bi- oder pansexuellen und 54 % der lesbischen Menschen haben Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt.
  • Knapp zwei Drittel (64 %) der Befragten wurden bezüglich der Behinderung, chronischen Erkrankung, psychischen oder sonstigen Beeinträchtigung diskriminiert.
  • Mit Blick auf die Geschlechtsidentität haben jeweils knapp 80 % der Trans* und Inter*Menschen sowie gut die Hälfte der nonbinary/queeren Menschen Diskriminierungen erlebt.

Diskriminierungsart: Ausgrenzung, Übergehen- oder Ignoriertwerden ist mit 72% die meist benannte Diskriminierungsart, 35 % der Befragten haben bereits körperliche Bedrohung und Angriffe erfahren.
Jede vierte Person wird unfreiwillig geoutet: Unfreiwilliges Outen von LSBTIQ*-Menschen kann trotz der vermeintlichen Offenheit der Gesellschaft beträchtlichen Schaden in ihrer Lebenswelt anrichten.
Diskriminierung erfolgt an allen Orten des täglichen Lebens: Am häufigsten wird Diskriminierung im privaten Umfeld, der Öffentlichkeit und der Schule erlebt. Inter*Menschen sind zahlenmäßig zwar in der Minderheit, die erlebte Diskriminierung ist jedoch in allen Bereichen am Höchsten. Bis zu 85 % der befragten Inter*Menschen erlebten Diskriminierungen, z.B. im privaten Umfeld. Ähnliche Erfahrungen erfuhren Trans*Menschen und nonbinäre/queere Menschen.
Beispielsweise gaben im Gesundheitsbereich 28 % der Befragten an, die notwendige Behandlung/Unterstützung nicht erhalten zu haben. Bei 14 % aller befragten Personen wurde ihre geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung als psychologisches Problem bezeichnet. Insgesamt wurden im Gesundheitsbereich Inter* (77 %) und Trans*Menschen (54 %) am stärksten diskriminiert.
Sexualität und Beziehung in besonderen Wohnformen ist immer noch ein Tabuthema: Für Menschen, die aufgrund einer Beeinträchtigung in einer besonderen Wohnform leben und in der Auslebung ihrer Sexualität und Partner*innenschaft in besonderem Maße auf die Unterstützung durch Mitarbeitende angewiesen sind, kann dies gravierende Folgen für ihre sexuelle Selbstbestimmung haben.
49% der LSBTIQ*-Menschen, die in besonderen Wohnformen leben, wünschen sich mehr Unterstützung durch Mitarbeitende, andere LSBTIQ*-Menschen zu treffen und Angebote der LSBTIQ*-Szenen in Anspruch zu nehmen. Lediglich 22 % erhalten diese Unterstützung bereits. Über die Hälfte (55%) der Personen gab an, keinen leichten Zugang zu Kondomen oder anderen Verhütungsmitteln in der Einrichtung zu haben. Lediglich eine der 41 befragten Personen wurde die Möglichkeit gegeben, Sexualassistenz in Anspruch zu nehmen.
Die Studienergebnisse zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Familienstaatssekretär (NRW) Andreas Bothe: „Die Studie verdeutlicht, dass LSBTIQ* Menschen mit Beeinträchtigungen von erheblicher Mehrfachdiskriminierungen betroffen sind. Das macht sie besonders vulnerabel. Die Landesregierung wird die Ergebnisse im Detail analysieren und schauen, an welchen Stellen wir im Kampf insbesondere gegen Mehrfachdiskriminierung noch stärker unterstützen können. Klar ist: Jede Diskriminierungserfahrung ist eine zu viel. Wir stehen fest an der Seite der LSBTIQ* Communities und kämpfen weiter gemeinsam für eine angst- und diskriminierungsfreie Welt.”
Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen der NRW LSBTIQ* inklusiv Fachtagung am Freitag, 20. November, differenziert vorgestellt und diskutiert. 
Friederike Vogt von der Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld erklärt, dass die Ergebnisse der Studie deutlich zeigen, dass LSBTIQ* mit Beeinträchtigungen häufig Diskriminierungen erfahren und dass diese in allen Lebensbereiche erfolgen. „Es ist deshalb wichtig, gemeinsam mit LSBTIQ* Menschen mit Beeinträchtigungen Maßnahmen zu entwickeln, die diese Benachteiligungen beseitigen und die soziale Teilhabe fördern.”
„NRW LSBTIQ* inklusiv” ist ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben NRW e.V., die Studie wurde in Kooperation mit BIE Queer e.V., der Aidshilfe Bielefeld e.V., der Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld und der Fachhochschule Bielefeld durchgeführt. Das Projekt wird von vielen Akteur*innen und Verbänden unterstützt, unter anderem vom Kooperationspartner queerhandicap e.V, der Empowermentworkshops organisiert.


Gerne beantworten wir Ihre Fragen, die Kurzfassung (Deutsche Normsprache oder Leichte Sprache) der Studie kann bestellt werden bei:
Friederike Vogt
Gleichstellungsstelle Bielefeld
Tel. +49 521 51-6334
E-Mail

Rückblick Fachtag 06.09.2019: "Sexualität - ein Grundrecht?"

„Wir müssen mal reden - selbstbestimmte Sexualität ein Grundrecht?!”
Lebens- und Problemlagen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* mit Behinderung und chronischer Erkrankung vom 06.09.2019 in Bielefeld.
Ein erster Fachtag, um die Belange zu erkundigen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit über 70 Teilnehmenden, insbesondere einer großen Anzahl betroffener Menschen, ist dies gelungen.