Städtepartnerschaften

Bielefeld ist eine weltoffene und internationale Stadt. Die internationalen Beziehungen werden getragen vom Willen zur Völkerverständigung, zur Aussöhnung und zur Übernahme globaler Verantwortung. Sie leisten auf der kommunalen Ebene einen wichtigen Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit in Europa und der Welt.

Die Überzeugung, dass das Zusammenwirken von sozialer Verantwortung, politischer Teilhabe, ökologischem Gleichgewicht und ökonomischer Leistungsfähigkeit sowie die Achtung der Menschenrechte die Grundlagen für ein Leben in Sicherheit und Würde sind, bildet die Basis des internationalen Handelns.

Die Stadt Bielefeld pflegt mehrere internationale Beziehungen mit Städten und Gemeinden im europäischen und nichteuropäischen Ausland. Formen und Inhalte dieser Beziehungen sind sehr unterschiedlich.

Freundschaftliche Kontakte zwischen Städten, Kreisen und Gemeinden gibt es überall auf der Welt. Wenn die Beziehung auf einer Urkunde oder einem Vertrag beruht, dann spricht man von einer Städtepartnerschaft.

Sinn und Zweck dieser partnerschaftlichen Beziehungen ist es, die Verbundenheit über die Staatsgrenzen hinweg zu festigen und zu vertiefen und damit einen Beitrag zum Frieden in Europa und in der ganzen Welt zu leisten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Begegnungen von Mensch zu Mensch. Sie bilden eine Basis zum besseren Verständnis, zum Kennenlernen und dem Abbau von Vorurteilen.

Die Bielefelder Städtepartnerschaften:

Rochdale (England)  seit 1953
Enniskillen/Fermanagh (Nordirland) seit 1958
Concarneau (Frankreich) seit 1969
Nahariya (Israel) seit 1980
Welikij Nowgorod (Russland) seit 1987
Rzeszów (Polen) seit 1991
Estelí (Nicaragua) seit 1995
  • Städtepartnerschaft seit 1953
  • 20 Kilometer nördlich von Manchester/Grafschaft Lancashire
  • www.rochdale.gov.uk
  • Gesellschaft der Freunde Rochdales e.V.

Im Jahre 1068 n.Chr. wurde Rochdale erstmals urkundlich erwähnt. 1844 war die Stadt der Ausgangspunkt der internationalen Konsumgenossenschaftsbewegung (CO-OP) und war lange durch die heimische Textilindustrie geprägt. Heute zählt Rochdale ca. 100.000 Einwohner*innen.

Das 1871 erbaute Historische Rathaus im gotischen Stil, die Parish Church of St. Chad aus dem 12. Jahrhundert, Seen und Kanäle sowie die Nähe zu Manchester machen Rochdale und Umgebung für viele Reisende interessant.

Die Idee zu einer Städtepartnerschaft entstand während eines Besuches von Bildungsfachleuten aus Rochdale bei Gewerkschaftsvertreter*innen in Bielefeld.

Symbole der Partnerstadt sind die Bielefeld-Brücke in Rochdale, der Rochdale Park vor der Ravensberger Spinnerei sowie eine englische Telefonzelle neben der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld.

Durch eine Charta des britischen Königs James I wurde Enniskillen 1612 gegründet und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer lebhaften Garnisonstadt. Heute gehört Enniskillen zur Grafschaft Fermanagh and Omagh, die etwa 115.000 Einwohner*innen zählt. Eingebettet in eine traumhafte Seenlandschaft bietet Enniskillen seinen Besucher*innen neben viel Natur auch die Möglichkeit, Schlösser und Höhlen zu besichtigen.

Die Musik der „Royal-Inniskilling-Dragoon-Guards” auf dem Brackweder Schützenfest 1957 brachte Freundschaften hervor, aus denen ein Jahr später die Städtepartnerschaft entstand.

Die Bielefelder Verbundenheit zu der nordirischen Partnerstadt wird u.a. durch die Enniskillen Straße symbolisiert.

Concarneau entstand als Hafen für Sardinenfang im 10. Jahrhundert und wurde im Mittelalter zur Handelsstadt und Festung ausgebaut.
Noch heute leben die etwa 20.000 Einwohner*innen überwiegend vom Fischfang. Die mittelalterliche Festung, die „Ville-Close“, zieht viele Reisende in das malerische bretonische Städtchen.

Den Anstoß zur Städtepartnerschaft gab die Folklore Gruppe „Cercle Celtic“, die 1967 einen Zwischenstopp in der damals noch selbständigen Gemeinde Senne machte und mit ihrer Tanzdarbietung begeisterte.

Symbole der Städtepartnerschaft sind die „Avenue de Bielefeld – Senne“ in Concarneau und die „Concarneau Straße“ sowie das Restaurant „Auberge le Concarneau“ in Bielefeld-Senne.

Der regelmäßige Jugendaustausch bildet neben offiziellen Delegationsbesuchen auch heute noch den Schwerpunkt der Beziehungen.

Die Stadt wurde 1935 von jüdischen Emigrant*innen aus Deutschland gegründet. Nahariya zählt heute etwa 55.000 Einwohner*innen und ist das Zentrum des westlichen Galiläas und ein beliebter Badeort, aber auch ein bedeutender Industrie- und Dienstleistungsstandort.

Unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt findet man Reste eines phönizischen Hafens, zwei phönizische Gräber und einen kanaanitischen Tempel aus dem 15. Jahrhundert v. Chr.

Aus dem privaten Kontakt des Bielefelders Gerhard Hoepner und dem nach Nahariya emigrierten Andreas Meyer entwickelte sich die Städtepartnerschaft.

Symbole der israelischen Partnerstadt in Bielefeld sind das Nahariyafenster im Übergang vom Alten zum Neuen Rathaus und die Nahariyastraße am Bahnhof. In Nahariya gibt es eine byzantinische Kirche aus dem 6. Jahrhundert mit wertvollem Mosaikfußboden, die mit Spendenmitteln aus Bielefeld restauriert wurde und deshalb „Bielefelder Kirche” genannt wird.

Vom 12. bis 15. Jahrhundert war Welikij Nowgorod eine selbständige demokratische Hansestadt. Heute gilt die Stadt als „Wiege des russischen Reiches“. 260.000 Einwohner*innen leben in Nowgorod.

Sehenswert sind u.a. der eigene Kreml mit der Sophienkathedrale aus dem 10. Jahrhundert, die alte Marktstadt mit Jaroslaw-Hof und die Nikolaus-Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Der nahegelegene Ilmensee und der mitten durch die Stadt fließende Wolchow laden zu Schiffsausflügen ein.

Als Folge des Bundestagsbeschlusses im Winter 1983/1984 über die militärische „Nachrüstung” gründete sich in Bielefeld ein Kuratorium, das zunächst auf lokaler und zivilgesellschaftlicher Ebene Kontakte mit Nowgorod knüpfte. Daraus entwickelte sich die heutige Städtepartnerschaft.

Symbole der russischen Partnerstadt sind die Nowgorodstraße im Neuen Bahnhofsviertel und die Nowgorod Eiche unterhalb der Sparrenburg.

In den 90er Jahren organisierte die Stadt Bielefeld zahlreiche Hilfstransporte, heute werden soziale Projekte mit Spendengeldern aus Bielefeld in Welikij Nowgorod unterstützt.

Die erste urkundliche Erwähnung Rzeszóws stammt aus dem Jahr 1354, im 18. Jahrhundert war Rzeszów Kreisstadt unter österreichischer Verwaltung. Heute ist Rzeszów Bezirkshauptstadt mit 195.000 Einwohner*innen, Bischofssitz und verfügt über einen eigenen internationalen Flughafen.

Das Schloss der Familie Lubomirski und ein Bernhardinerkloster aus dem 17. Jahrhundert sind nur einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Rzezsów. Bemerkenswert ist auch das Alte Rathaus und der davorliegende Marktplatz „Rynek”, der von Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert malerisch umrahmt wird. Unter dem Marktplatz wurden in den letzten Jahren Kellergänge und -räume zugänglich gemacht und zu touristischen Zwecken freigegeben.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bielefeld gab den Anstoß für die Städtepartnerschaft mit Rzezsów. Symbol der Verbundenheit ist die Rzeszówstraße in Bielefeld.

Estelí ist mit rund 112.000 Einwohner*innen die Hauptstadt des gleichnamigen Departments und liegt im Norden Nicaraguas an der „Panamericana”. Den wirtschaftlichen Schwerpunkt bilden Dienstleistungen sowie Viehzucht und der Anbau von Tabak, Kaffee und Grundnahrungsmitteln.

Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale von 1888, der Wasserfall Estanzuela, die Lagune von Miraflor und indianische Felszeichnungen.

1984 beschloss der Rat der Stadt Bielefeld, die Patenschaft für die nicaraguanische Stadt Estelí zu übernehmen. Diese wurde 1995 in eine offizielle Städtepartnerschaft umgewandelt. Bei der Ausgestaltung der Partnerschaft arbeitet die Stadt Bielefeld von Anfang an eng mit dem Welthaus Bielefeld e.V. zusammen.

1998 wurde Estelí durch den Hurrikan Mitch stark verwüstet. Spendengelder aus Bielefeld und den anderen europäischen Partnerstädten Estelís halfen beim Wiederaufbau der Stadt. 

Projektpartnerschaften

Im Rahmen von Projektpartnerschaften erfolgt eine Zusammenarbeit in bestimmten Themenbereichen, die vertraglich festgelegt werden. Die Betreuung und Abwicklung erfolgt über das Büro Oberbürgermeister – Internationale Angelegenheiten.

Zababdeh

Zababdeh liegt im Westjordanland und hat ca. 3.700 Einwohner*innen. Die Hälfte der Einwohner*innen sind Christen (hauptsächlich katholisch und orthodoxer Religion), die andere Hälfte sind Muslime. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, welche sich auch in der Vielzahl der Olivenhaine in der Umgebung von Zababdeh widerspiegelt.

Aus der Mitte der Bielefelder Bürgerschaft hatte sich im Jahre 2009 eine Initiative entwickelt, die das Ziel verfolgte, den Friedensprozess im Nahen Osten, insbesondere Israel und Palästina, auf regionaler Ebene zu fördern. Hieraus entwickelte sich die 2017 vertraglich beschlossene Projektpartnerschaft zwischen Zababdeh und Bielefeld.

Städtepatenschaften

Die Patenschaften für die ehemaligen Bewohner*innen der ostdeutschen Städte gaben den heimatvertriebenen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg konkrete Hilfestellung bei der wirtschaftlichen und sozialen Eingliederung. Das kulturelle Erbe wird in Archiven und Heimatstuben bewahrt.

Im Laufe der Jahrzehnte sind freundschaftliche Kontakte zwischen den ehemaligen und den jetzigen Bewohner*innen dieser Städte entstanden. Gegenseitige Besuche festigen die Freundschaft und die Kreisgemeinschaften organisieren Hilfslieferungen für Bedürftige.

Die Stadt Bielefeld hat Patenschaften für die folgenden Städte übernommen:

  • Gusew (Russland), ehemaliges Gumbinnen/Ostpreußen
  • Wiazów (Polen), ehemaliges Wansen/Schlesien
  • Ziebice (Polen), ehemaliges Münsterberg/Schlesien