Prävention systematisch verankern: Sekundarschule Königsbrügge erprobt umfassenden Präventionsplan gegen Gewalt
| Bielefeld (bi)
Prävention beginnt dort, wo junge Menschen einen Großteil ihres Alltags verbringen: in der Schule. Der Sozial- und Kriminalpräventive Rat (SKPR) der Stadt Bielefeld begleitet unter anderem die Sekundarschule Königsbrügge als Pilotschule bei der Entwicklung und praktischen Erprobung eines umfassenden Präventionsplans gegen Gewalt. Ziel des gemeinsamen Projekts ist es, Präventionsarbeit nicht nur punktuell anzubieten, sondern systematisch, verbindlich und dauerhaft im Schulalltag zu verankern. Die Sekundarschule hat einen Jahrgangsplan mit verschiedenen sozial- und gewaltpräventiven Impulsen aufgestellt, sodass alle Schülerinnen und Schüler regelmäßig erreicht werden.
„Gezielte Prävention ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Wenn wir junge Menschen frühzeitig stärken, ihnen Orientierung geben und sie befähigen, verantwortungsvoll zu handeln, schaffen wir die Grundlage für ein sicheres und respektvolles Zusammenleben“, betont die Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld Dr. Christiana Bauer.
Workshops und gezielte Schulstunden: Strukturierte Präventionsarbeit an der Schule
Der Präventionsplan bündelt bestehende Maßnahmen, die von speziellen Klassenstunden über den Besuch der Polizei bis hin zu Projekttagen und -wochen gehen, ergänzt sie um neue Bausteine und sorgt für eine klare Struktur über alle Jahrgangsstufen hinweg. Neben externen Partnerinnen und Partnern übernimmt die Schule dabei selbst eine zentrale Rolle: Lehrkräfte integrieren präventive Inhalte, wie z. B. Sozialkompetenzen, in den Unterricht und in Projekttage. Die Schulsozialarbeit ist eng in Planung, Durchführung und Nachbereitung der Angebote eingebunden.
Im Mittelpunkt stehen regelmäßig stattfindende Workshops mit Externen, in denen sich alle Schülerinnen und Schüler intensiv mit zentralen Themen auseinandersetzen: Gewaltprävention, respektvolles soziales Miteinander, konstruktive Konfliktlösung und Zivilcourage. Auch Gefahren im Netz, Cybermobbing sowie der Schutz vor digitalen Grenzverletzungen sind feste Bestandteile des Konzepts und werden durch pädagogische Fachkräfte und soziale Träger bearbeitet.
Polizei Bielefeld setzt einen Fokus auf Messergewalt
Die Polizei setzt innerhalb des Präventionsplans einen besonderen inhaltlichen Akzent: Exemplarisch wird mit den Schülerinnen und Schülern das Thema Messergewalt besprochen. Dabei geht es um rechtliche Konsequenzen, persönliche Risiken und gesellschaftliche Auswirkungen. Anhand von Videosequenzen werden unterschiedliche Perspektiven (z.B. Täter und Geschädigte) beleuchtet, um Hemmschwellen gegenüber Gewalt zu stärken. Ziel ist es, frühzeitig zu sensibilisieren und klar zu vermitteln, dass Gewalt kein Mittel der Konfliktlösung ist.
Auch Wolfgang Niewald, stellvertretender Präsident der Polizei Bielefeld, unterstreicht die Bedeutung des Engagements: „Wir unterstützen als Bielefelder Polizei gerne diesen wichtigen Baustein zur Prävention und Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität im schulischen Kontext. Der polizeiliche Beitrag soll alle am Schulleben Beteiligten stärken und insbesondere Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit Gewalt sensibilisieren. Dazu gehört, eindrucksvoll deutlich zu machen, wie gefährlich Messerangriffe sind und Lösungen anzubieten, wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.“
Umfrage der Universität Bielefeld wertet das Projekt aus
Die Absprachen im SKPR ermöglichen zudem eine wissenschaftliche Begleitung: In Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld werden Schülerinnen und Schüler gezielt zu den Angeboten der Polizei befragt. Untersucht wird unter anderem, wie die Inhalte wahrgenommen werden, welche Botschaften ankommen und welche Formate besonders wirksam sind. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung des neuen Präventionsprogramms ein. So entsteht ein lernendes System, das kontinuierlich überprüft und optimiert wird.
Nach den ersten Monaten der Umsetzung ziehen die Beteiligten eine positive Zwischenbilanz. Erste Workshops wurden durchgeführt und weitere Termine sind bereits fest eingeplant. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sind durchweg positiv. Inwieweit im laufenden Schuljahr Effekte in Bezug zum Konfliktverhalten in der Schule zu spüren sind, wird sich zeigen. Die Präventionsarbeit ist langfristig ausgelegt und soll Schülerinnen Schüler auch außerhalt das Schulalltages stärken.
Hintergrund: Der Sozial- und Kriminalpräventive Rat (SKPR) der Stadt Bielefeld
Der Sozial- und Kriminalpräventive Rat (SKPR) der Stadt Bielefeld arbeitet seit 1995 daran, Gewalt und Kriminalität in Bielefeld zu reduzieren. Im Gegensatz zu anderen kriminalpräventiven Räten setzt sich der SKPR nicht nur mit der Verhütung von Straftaten auseinander, sondern widmet sich auch dem sozialen Miteinander der Bielefelderinnen und Bielefelder. Sozial- und Kriminalprävention wird beispielsweise erreicht durch Aufklärung, Schulungen, Kampagnen, soziale Interventionen und Maßnahmen, die die Lebensbedingungen verbessern.
Im Zusammenschluss der Stadt Bielefeld, der Polizei Bielefeld und der Universität Bielefeld wirkt der SKPR auf strategischer Ebene, behält lokale Gegebenheiten im Blick, bündelt Prozesse, stellt präventive Netzwerkstrukturen her und legt Handlungsschwerpunkte fest. Mehr Informationen gibt es online unter www.bielefeld.de/skpr.