Sechs Städte stärken gemeinsam den zeitgenössischen Tanz in OWL
| Bielefeld (bi)
„Das Tanzfestival 2026 steht unter einem guten Stern“ erklärt Birgit Beckermann, Kulturdezernentin der Stadt Bielefeld. „Das Städtenetzwerk Tanz OWL, das 2008 auf Initiative des Kulturamtes der Stadt Bielefeld gegründet wurde, erhält erneut die Projektförderung des Regionalen Kulturprogramms NRW. Der Zuwendungsbescheid liegt nun vor, 2026 fließen erneut 100.000€ nach Ostwestfalen-Lippe“, freut sich Birgit Beckermann. Bielefeld, Detmold, Gütersloh, Herford, Minden und Paderborn setzen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen von „Tanz OWL“ fort und starten gemeinsam in eine neue Förderperiode des „RKP – Regionales Kultur Programm NRW“. Nach einer intensiven konzeptionellen Weiterentwicklung im Jahr 2025 präsentiert sich das Netzwerk mit geschärftem Profil und einer noch engeren interkommunalen Zusammenarbeit. Die sechs Partnerkommunen bringen dabei ihre jeweils eigenen künstlerischen Schwerpunkte und Formate ein. Gemeinsam bilden sie ein starkes regionales Netzwerk für zeitgenössischen Tanz.
Im Zentrum stehen kulturelle Teilhabe, künstlerische Vielfalt und der niedrigschwellige Zugang für Menschen aller Generationen – sowohl in den Städten als auch in den umliegenden Kreisen. Ob Festivalbesuch in Bielefeld, Tanzperformance im öffentlichen Raum in Detmold oder Community-Dance-Projekt in Paderborn – Tanz OWL schafft Begegnungen mit zeitgenössischem Tanz an ganz unterschiedlichen Orten und für verschiedene Zielgruppen. Ziel ist es, zeitgenössische Tanzformen langfristig in der Region zu verankern und damit einen Beitrag zu gleichwertigen kulturellen Lebensverhältnissen in urbanen und ländlichen Räumen in NRW zu leisten. „Zeitgenössischer Tanz gehört nicht nur auf große Bühnen und in die Städte. Mit Tanz OWL schaffen wir kulturelle Zugänge für alle – unabhängig davon, ob jemand in einer Großstadt oder im ländlichen Raum lebt“, erklärt Brigitte Brand, Leiterin des Kulturamtes Bielefeld.
Bielefeld: Das älteste Tanzfestival in NRW
Das Tanzfestival Bielefeld, gegründet 1990, ist das älteste noch bestehende Tanzfestival in Nordrhein-Westfalen. Rund 60 Workshops mit internationalen Dozierenden richten sich in den ersten beiden Wochen der NRW-Sommerferien an Profis und Laien jedes Alters, mit und ohne körperliche Einschränkungen. Ergänzt wird das Programm durch zeitgenössische Produktionen internationaler Tanzkompanien. Diese bieten ein breites Spektrum an zeitgenössischen Produktionen, von Ballett über Tanztheater bis hin zu Urban Styles. In der neuen Förderperiode werden zusätzliche kostenlose Veranstaltungen im öffentlichen Raum ausgebaut. „Das Tanzfestival Bielefeld steht für kulturelle Teilhabe, Vielfalt und internationale Vernetzung. Dass wir unser Programm nun gezielt um kostenfreie Formate im öffentlichen Raum erweitern können, ist ein starkes Signal für die Sichtbarkeit von Tanz in der Mitte der Gesellschaft“, betont Rebecca Egeling, Leiterin der Programmabteilung des Kulturamtes Bielefeld.
Detmold: Tanz dort, wo das Leben stattfindet
Das Kulturteam der Stadt Detmold setzt einen besonderen Schwerpunkt auf zeitgenössischen Tanz im öffentlichen Raum. In 2026 wurden rund 15 Aufführungen von sieben internationalen Tanzkompagnien in der Detmolder Innenstadt aufgeführt. Sie eröffnen Zugangspunkte für Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte mit zeitgenössischem Tanz haben. Der Stadtraum dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern wird aktiv in die Choreografien eingebunden. Ergänzt werden die Aufführungen regelmäßig durch kostenfreie „Public Warm-ups“, bei denen Choreograf*innen Einblicke in ihre Arbeitsweise geben. Unter dem Motto „Detmold tanzt“ finden außerdem offene Tanzworkshops für alle statt. „Besonders im ländlichen Raum, in dem die Infrastruktur für darstellende Künste begrenzt ist, eröffnen Aufführungen im öffentlichen Raum einzigartige Rezeptionsmöglichkeiten“, stellt Sabine Kuhfuß, Künstlerische Leiterin des KulturTeam Detmold heraus.
Gütersloh: „Kaleidoskop“, Tanzkonferenz und Langenachtderkunst
Gütersloh ist 2026 Gastgeberstadt der „Tanz OWL Konferenz“ – einer Plattform für Austausch, Vernetzung und Qualifizierung von Tanzschaffenden aus der gesamten Region. Darüber hinaus steht das Community Dance Projekt „Kaleidoskop“ im Mittelpunkt: Eine Gütersloher Schule, eine Schule aus dem Kreisgebiet sowie Erwachsene unterschiedlichen Alters erarbeiten im Zuge dessen gemeinsam neue Interpretationen musikalischer Klassiker – mit zeitgenössischen Tanzstilen als künstlerischem Werkzeug. „Im Kaleidoskop-Projekt proben eine Zwölfjährige und eine Siebzigjährige dieselbe Choreografie. „So entsteht nicht nur ein künstlerisches Ergebnis, sondern ein lebendiger Austausch, der Gemeinschaft stärkt und kulturelle Teilhabe fördert“, verdeutlicht Henning Matthes, Erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh. Ein weiterer Höhepunkt war die tänzerische Eröffnung der Langenachtderkunst am 16. Mai auf dem Berliner Platz, bei der Tanzgruppen mit etwa 200 Teilnehmenden aus der ganzen Region die Vielfalt des Tanzes für ein breites Publikum sichtbar machten.
Herford: Tanz als gesellschaftliche Reflexion
Das Stadttheater Herford setzt auf das Community Dance Projekt „Solomomento“ unter der Leitung des Choreografie-Duos Christine Grunert und Olaf Herzog. Frauen und Männer zwischen 20 und 75 Jahren, aus Herford, Bielefeld und anderen Städten in OWL, – erfahren und unerfahren, mit und ohne körperliche Einschränkungen – formieren sich jährlich neu, um gesellschaftliche Themen körperlich zu verhandeln. „Solomomento zeigt eindrucksvoll, wie Tanz Menschen unterschiedlichster Lebensrealitäten zusammenbringen kann. Genau diese Offenheit macht das Projekt zu einem wichtigen kulturellen Impulsgeber für die Region“, so Marlies Leibitzki, Leiterin des Stadttheaters Herford. Der professionelle Filmemacher Ivo Tödtmann begleitet die Arbeit des Tanzensembles und führt Interviews, durch die eine intellektuelle Reflexion stattfindet. Die Arbeiten sind in den letzten Jahren an verschiedenen Orten wie dem Aawiesenpark, dem Museum Marta, der Synagoge und auf der großen Bühne des Stadttheaters gezeigt worden.
Minden: Tanztheater mit 130 Jugendlichen
In Minden ist Community Dance fester Bestandteil der kommunalen kulturellen Bildung. Jugendliche aus allen weiterführenden Schulen der Stadt und des Umlands erarbeiten unter Anleitung erfahrener Tänzer*innen Tanztheater auf professionellem Niveau. Aktuell nehmen neun Schulen mit rund 130 Teilnehmenden und sieben Tanzdozent*innen teil. Aufgeführt wird im Stadttheater Minden, aber auch als Open-Air-Format „Martini um 12“ mitten in der Stadt. Für viele Jugendliche – auch aus ländlichen Regionen – ermöglicht das Projekt einen niedrigschwelligen Zugang zu zeitgenössischem Tanz. Sie erleben Selbstwirksamkeit, Teamfähigkeit und können über schulische Grenzen hinweg neue Verbindungen knüpfen. „Für viele Jugendliche ist es das erste Mal, dass sie vor Publikum stehen. Und man sieht ihnen an: Danach gehen sie mit einem ganz neuen Selbstbewusstsein nach Hause“, sagt Kim Brungs vom Kulturamt Minden.
Paderborn: Wenn der Ort das Thema bestimmt
Vernetzung und Partizipation spielen in Paderborn die entscheidende Rolle. Die wertvolle positive Erfahrung aus den zurückliegenden Jahren, als auf lokaler Ebene freie Community Dance Gruppen, Tanzstudios, Vereine, Schulen und Hochschulen unter professioneller Leitung gemeinsam Produktionen an ausgewählten Orten entwickelten, soll in Zukunft entsprechend dem neuen OWL-Konzept interkommunal erweitert werden. Das erste Projekt mit Aufführungen in Musen in Herford und Paderborn mit beteiligten aus den Kreisen Paderborn und Höxter hat schon stattgefunden. Erhalten bleibt der grenzüberschreitende Charakter: Höchst unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen können sich verbinden, Menschen zwischen fünf und 75 Jahren können teilnehmen. Neu ist ein Format mit niedrigschwelligem Zugang für jedermann und jedefrau. Das Augenmerk gilt auch bislang wenig erreichten Zielgruppen, auch aus dem Kreisgebiet. Dafür macht sich besonders der Tanzsportclub Blau-Weiß mit seinen sehr unterschiedlichen Tanzgruppen stark. „Wir nehmen den Neuaufbruch von Tanz OWL ernst. Ich ermutige alle lokalen Akteurinnen, mit Partner-Institutionen oder mit Personen in ganz OWL zusammenzuarbeiten“, berichtet Christoph Gockel-Böhner vom Kulturamt Paderborn. „Bislang wurde das nur gelegentlich verwirklicht. Wir wollen das aber jetzt zum Prinzip machen.“
Die besondere Stärke von Tanz OWL liegt in seiner partnerschaftlichen Struktur: Keine Stadt steht im Mittelpunkt, vielmehr bringt jede Kommune ihre eigene Expertise und ihr individuelles Profil in das Netzwerk ein. So bleiben lokale Profile erhalten, während gleichzeitig die interkommunale Zusammenarbeit wächst. Gemeinsame Projekte, die Fortentwicklung des Netzwerks und eine neue digitale Präsenz stärken das Bündnis nachhaltig nach außen. „Tanz OWL steht für eine langfristig angelegte Kulturpolitik, die Kooperation, Teilhabe und nachhaltige Strukturen in den Mittelpunkt stellt – getragen von den Menschen in der Region“, verdeutlicht Henning Matthes, Erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh abschließend.
Kontakt Kulturamt der Stadt Bielefeld:
Rebecca Egeling
Telefon: 51-3194
Mail: rebecca.egeling [ät] bielefeld.de