Gemälde der zerstörten Bielefelder Synagoge erhält prominenten Platz im Alten Rathaus
| Bielefeld (bi)
Ein Gemälde der 1938 zerstörten Bielefelder Synagoge wird künftig im Alten Rathaus zu sehen sein. Das Werk des Künstlers Alexander Dettmar erinnert an die einst stadtprägende Synagoge in der Turnerstraße. Dank einer Spende der LOEWE-Stiftung sowie des Ingrid und Michael Krapp-Stiftungsfonds kann das Historische Museum Bielefeld das Gemälde erwerben und dauerhaft für die Stadt sichern. Ab Ende November wird es im Treppenhaus des ersten Obergeschosses im Alten Rathaus öffentlich zugänglich sein.
Oberbürgermeisterin Bauer: Ein Stück Bielefelder Erinnerungskultur
Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer betont die historische Bedeutung des Gemäldes: „Die Synagoge in der Turnerstraße war mit ihrer großen Kuppel und den markanten Fenstern einst stadtprägend für Bielefeld. Nur 33 Jahre lang stand sie dort. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie von Nationalsozialisten niedergebrannt – wie so viele Synagogen in Deutschland. Heute erinnert ein Gedenkstein an diesen Ort. Jetzt haben wir mit dem Gemälde von Alexander Dettmar im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon, was 1938 vernichtet wurde. Alexander Dettmar macht in seinen Werken sichtbar, was verloren gegangen ist, und hält die Erinnerung an das jüdische Leben und an seine gewaltsame Zerstörung wach, auch in Bielefeld.
Ich freue mich daher sehr, dass dieses besondere Werk künftig zum Bestand unseres Historischen Museums gehört und damit dauerhaft in Bielefeld bleibt. Mein herzlicher Dank gilt der LOEWE-Stiftung und Michael Krapp, Mitglied des Fördervereins des Historisches Museum Bielefeld. Durch ihre großzügige Unterstützung wird dieser Ankauf möglich.
Dieses Gemälde ist für mich ein Stück Bielefelder Erinnerungskultur und zugleich eine Mahnung, wohin Ausgrenzung, Antisemitismus und Menschenverachtung führen können. Daher war es mir wichtig, dass wir einen prominenten Platz im Alten Rathaus finden, an dem es möglichst viele Menschen sehen können.“
Gemälde erhält prägnanten Platz im Alten Rathaus
Auch das Historische Museum begrüßt den Standort des Gemäldes. „Es ist eine besondere Freude, dass so ein passender und öffentlich sichtbarer Ort für das Gemälde gefunden wurde,“ sagt Dr. Constanze Döhrer, Institutsleiterin des Historischen Museums. „Das Museum ist dankbar für den Rückhalt in der Gesellschaft, der hier in Form der Vermittlung des Gemäldes und durch zwei Förderungen zum Ausdruck kommt.“ Der Bielefelder Axel Rasch trat im vergangenen Jahr an das Historische Museum heran und schlug den Erwerb des Gemäldes vor.
Künstler macht zerstörte Synagogen wieder sichtbar
Der 1953 in Freiburg im Breisgau geborene Berliner Maler Alexander Dettmar beschäftigt sich seit 1994 mit Synagogen, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zerstört wurden. In seinen Gemälden rekonstruiert er die verlorenen Bauwerke und macht damit ein Stück jüdischer Geschichte wieder sichtbar.
Mehr als 1.400 Synagogen wurden in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und in deren Folge angezündet und niedergerissen. Auch die Synagoge an der Bielefelder Turnerstraße fiel der nationalsozialistischen Gewalt zum Opfer. Weitere Informationen zur Geschichte der Bielefelder Synagoge hat das Stadtarchiv in seinem Historischen RückKlick zusammengestellt. Der Beitrag ist unter historischer-rueckklick-bielefeld.com abrufbar.