Feierliche Enthüllung von zwei FrauenOrten in Bielefeld

| Bielefeld (bi)

Bielefeld ist ein FrauenOrt. Im Jubiläumsjahr des Grundgesetzes eröffnet die Stadt Bielefeld daher zwei FrauenOrte: Am Haupteingang des Neuen Rathauses für Dr. Anne-Marie Morisse und am Haupteingang des Technischen Rathauses für Else Zimmermann. Zwei starke und mutige Frauen, die sich für Freiheit, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit eingesetzt haben.  Die Gleichstellungsstelle lädt alle Interessierten zu der feierlichen Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch, 12. Juni, um 17 Uhr auf den Rathausplatz ein.  

Pit Clausen, Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, eröffnet die Veranstaltung mit einer Rede. Murielle Guéguen spricht ein Grußwort als Vorstandsmitglied des FrauenRat NRW. Anschließend werden beide Frauenpersönlichkeiten durch die Historikerin Anna Vogt und die Biografin Hiltrud Böcker-Lönnendonker gewürdigt. Die gemeinsame Enthüllung der Informationstafeln erfolgt nach den Wortbeiträgen. Die Eröffnungsveranstaltung wird von Ramona Kozma musikalisch begleitet.

Else Zimmermann (1907-1995)

„Man muss nicht unbedingt seinen Mann stehen, man kann auch seine Frau stehen.“ Ein unbestechlicher Gerechtigkeitssinn prägte die politische Laufbahn Else Zimmermanns. Die Sozialdemokratin wechselte 1932 zur als kämpferischer eingeschätzten KPD. Für ihren unerschrockenen Widerstand gegen den Nationalsozialismus musste sie 34 Monate in Haft. Erneute Angst vor Diktatur führte sie 1946 zurück zur SPD. Sie gehörte dem Kreis-, Land- und dem Bundestag an. Von 1963 bis 1967 war sie Deutschlands erste Landrätin.

Dr. Anne-Marie Morisse (1877-1942)

„In einem Staate, wo Entscheidungen auf politischem Gebiete erfolgen, muss die Frau politische Rechte haben.“ Dr. Anne-Marie Morisse war eine politische Frau voller Wissensdurst. Selbstbewusst setzte sie sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein. Nach Einführung des Frauenwahlrechts 1919 kandidierte sie für die linksliberale Deutsche Demokratische Partei und zog als eine der ersten Frauen in die Bielefelder Stadtverordnetenversammlung ein. Ein besonderes Anliegen war ihr die Volksbildung – ganz nach dem Motto „Bildung für alle“.

Hintergrund: FrauenOrte

Projektträger ist der FrauenRat NRW e.V. Bis 2025 will er 50 Orte kennzeichnen, an denen historische Frauenpersönlichkeiten gelebt und gewirkt haben. Der FrauenRat NRW e.V. wurde 1970 als unabhängiger, überparteilicher und überkonfessioneller Zusammenschluss aus heute rund 50 Frauenverbänden und -gruppen gemischter Verbände gegründet und vertritt mehr als zwei Millionen Frauen in ganz Nordrhein-Westfalen. Ziel ist, die Gleichberechtigung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen zu fördern und zu unterstützen. Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. Schirmpatin ist Gleichstellungsministerin Josefine Paul. Der offizielle Auftakt fand im März 2023 in Düsseldorf statt.
 

Dr. Anne-Marie Morisse setzte sich für Frauenrechte und Bildungszugang für alle ein. Foto: Stadtarchiv.
Der Sozialdemokratin Else Zimmermann wird ein FrauenOrt in Bielefeld gewidmet. Foto: Stadtarchiv Bielefeld/Eduard Heidmann.