Barrieren abbauen und die Gesundheit stärken: Bielefelder Inklusionsdinner an der HSBI

| Bielefeld (bi)

Pressemeldung der Hochschule Bielefeld (HSBI)

Bei der aktuellen Ausgabe des Bielefelder Inklusionsdinners drehte sich alles um die Themen Gesundheit und Wohlbefinden. Die Gäste mit und ohne Behinderung tauschten sich in der Hochschule aus und konnten aus Workshops und Mitmachaktionen praktische Tipps für einen gesunden Alltag mitnehmen. Dazu gab es Einblicke in Inklusions-Forschungsprojekte der HSBI und Angebote von verschiedenen Partnern. Veranstaltet wird das Inklusionsdinner regelmäßig vom Verein gemeinsam Wohnen e.V. zusammen mit dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben OWL und der Stadt Bielefeld, gefördert durch die Aktion Mensch.

Wie achte ich auf meinen Körper? Wie finde ich Informationen zu meiner Gesundheit? Und was kann ich tun, um mein Wohlbefinden zu steigern? Das waren einige der Fragen, die beim „Inklusionsdinner Gesundheit & Wohlbefinden“ am vergangenen Mittwochabend im Mittelpunkt standen. Hannah Schult erklärt als Projektleitung der Inklusionsdinner: „Die Veranstaltungsreihe wurde ins Leben gerufen, um Berührungsängste abzubauen und den Austausch über Barrieren und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in Bielefeld zu fördern. Dafür findet das Inklusionsdinner regelmäßig an verschiedenen Orten mit wechselnden thematischen Schwerpunkten statt.“

Am Mittwoch, 17. Juni, kamen die annähernd 50 Gäste mit und ohne Behinderung in der Hochschule Bielefeld (HSBI) zusammen. Der Themenschwerpunkt des Abends lautete: „Gesundheit und Wohlbefinden“. Ein Thema und ein Ort, die gut zusammenpassen, denn in mehreren Projekten beschäftigen sich Forschende der Hochschule mit Inklusion und Gesundheitsversorgung. Ein Beispiel aus der Praxis lieferte der Fachbereich Gesundheit direkt zur Begrüßung mit Kompetenz-Videos für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die im Forschungsprojekt „Geko-MmgB“ entstanden sind.

HSBI-Projekt: Videos zu Gesundheitskompetenz

Projektleiter und HSBI-Mitarbeiter Dr. Dirk Bruland erklärt: „Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung fällt es häufig schwer, passende Gesundheitsinformationen und -angebote für sich zu finden. Manchmal fehlt es wie so oft im Leben von Menschen an Ideen, um etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.“ Das Forschungsprojekt Geko-MmgB hat aus diesen Gründen gemeinsam mit zahlreichen Praxispartnern Videos mit Hintergrundinfos und Gesundheitstipps entwickelt. Das Besondere: Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung brachten ihre Erfahrungen als Co-Forschende mit ein. Die insgesamt acht Clips mit animierten Protagonist:innen geben Menschen aus der Zielgruppe in einfacher Sprache Hinweise, was sie tun können, um ihre Gesundheit zu erhalten bzw. zu verbessern. Das Projekt wurde vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2024“ ausgezeichnet.     

Workshops und Infostände zu assistiven Hilfsmitteln

Es sollte aber nicht beim Zuschauen bleiben: Im Anschluss an die Begrüßung ging es für die Teilnehmenden des Inklusionsdinners in Workshops und an Infoständen auf einem Markt der Möglichkeiten weiter. Der ärztliche Dienst Bethel informierte zu Gesundheitsvorsorge, das Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung (InBVG) der HSBI stellte seine Angebote vor und das SkillsLab Pflege der HSBI informierte über die Ausbildung im Pflegestudium. Das Projekt BRAVO von Bethel.regional stellte assistive Techniken und Hilfsmittel vor.

Als Mitglied des Organisationsteams war auch das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL OWL) am Markt der Möglichkeiten beteiligt. Neben Informationsmaterialien für Menschen mit Behinderungen zu Themen wie Selbstbestimmung, Teilhabe und sozialrechtlichen Unterstützungsmöglichkeiten standen Materialien zur Kommunikation und Interaktion mit Menschen mit Behinderungen im Gesundheitswesen für Fachpersonen zur Verfügung. Sandra Falkson vom KSL OWL betont: „Barrieren im Gesundheitswesen entstehen häufig durch Unsicherheit und fehlendes Wissen. Mit unseren Materialien möchten wir dabei unterstützen, diese Unsicherheiten im Berufsalltag zu reduzieren.“

Gesundheitsangebot in Bielefeld inklusiver und bedarfsgerechter weiterentwickeln

„Ein inklusives Gesundheitssystem bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von einer Behinderung – einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Noch immer bestehen dabei erhebliche Hürden, etwa bei der Suche nach barrierefreien Arztpraxen oder bei fehlenden Angeboten wie der gynäkologischen Versorgung für Frauen mit Behinderungen und psychotherapeutischen Angeboten für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Das Inklusionsdinner kann ein wichtiger Impuls sein, um diese Herausforderungen gemeinsam in den Blick zu nehmen und das Gesundheitsangebot in Bielefeld inklusiver und bedarfsgerechter weiterzuentwickeln“, erläutert Fabian Möller, Koordinator der Behindertenhilfe und Kommunaler Inklusionsplaner der Stadt Bielefeld. 

Circa 50 Gäste waren zum Inklusionsdinner in die HSBI unter dem Motto "Gesundheit und Wohlbefinden" gekommen. Begrüßt wurden sie von Projektleiterin Hannah Schult und Dr. Dirk Bruland vom Fachbereich Gesundheit der HSBI. Foto: S. Jonek/HSBI
Das Organisationsteam des Inklusionsdinners: (v.l.) Dr. Dirk Bruland (HSBI), Sandra Falkson (KSL OWL), Hannah Schult (Projektleitung) und Fabian Möller (Koordinator der Behindertenhilfe und Kommunaler Inklusionsplaner der Stadt Bielefeld). Foto: S. Jonek/HSBI