Pilotprojekt „Schulstraße“: Zwischenstand und erste Erkenntnisse
| Bielefeld (bi)
Wie sicher ist der Schulweg, seit an der Martinschule und der Sudbrackschule morgens keine Autos mehr fahren dürfen? Die Auswertung zur Halbzeit des Pilotprojekts „Verkehrsversuch Schulstraße“ zeigt: Viele Kinder bewältigen den Schulweg jetzt ein Stück selbstständiger. Seit September 2025 gilt an beiden Grundschulen zum Unterrichtsbeginn (7.15 bis 8.15 Uhr) ein Einfahrverbot für Kraftfahrzeuge. Ziel des Verkehrsversuchs „Schulstraße“ ist ein sicherer, bewegungsaktiver Schulweg für die Kinder sowie weniger Kfz-Verkehr („Elterntaxis“). Die aktuelle Elternbefragung des Amtes für Verkehr der Stadt Bielefeld belegt leichte Veränderungen: An beiden Standorten kommen etwas mehr Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule.
Mehr Bewegung, mehr Selbstvertrauen für Schulkinder
Gehen die Kinder ihren Schulweg zu Fuß oder fahren sie die Strecke mit dem Rad, erleben sie Verkehrssituationen bewusst. Die Mädchen und Jungen lernen Verkehrsregeln anzuwenden, sie werden selbstständiger im eigenen Handeln. Gerade in kleinen Schülergruppen unterwegs zu sein, stärkt zudem das soziale Miteinander. Der Schulweg wird im Alltag zu einem wichtigen Lern- und Erfahrungsraum.
Eine Schulstraße ist ein zeitlich begrenzter Bereich im Umfeld einer Schule, in den während der Bring- und Holzeiten keine Kraftfahrzeuge einfahren dürfen. Verkehrsversuche dienen dazu, solche Regelungen unter realen Bedingungen zu erproben – ergebnisoffen und mit dem Ziel, fundierte Entscheidungen für mehr Verkehrssicherheit zu treffen.
Martinschule: Mehr Radverkehr, Rückgang Elterntaxis, aber Verlagerung beim Bringverkehr
Die Martinschule in der Deckertstraße liegt in einer Sackgasse. Alle Eltern gaben an, nun die vorgesehene Elterntaxi-Haltestelle Marktkauf-Parkplatz zu kennen. Fuhren vorher 21 Prozent bei gutem Wetter mit dem Auto, sind es jetzt noch elf Prozent. Bei schlechtem Wetter ging die Zahl der Eltern-Taxis von 29 Prozent auf 21 Prozent zurück. Der Hol- und Bringverkehr hat sich jedoch verlagert. Eltern halten vermehrt an alternativen Orten wie einer Tankstelle, dem Aldi-Parkplatz oder dem Lehrerparkplatz.
Leichte Verbesserung beim Fußweg: Bei gutem Wetter kommen im März des Jahres 34 Prozent (Mai 2025: 37 Prozent) der Kinder „fast immer“ zu Fuß zur Schule, „meistens“ sind es 15 Prozent (Mai 2025: 9 Prozent). Ist das Wetter schlecht, sind es aktuell „fast immer“ 34 Prozent (Mai 2025: 32 Prozent) und „meistens“ sind es nun 17 Prozent (Mai 2025: 11 Prozent).
Positive Entwicklung beim Radverkehr: Bei gutem Wetter stieg der Anteil der Kinder, die „fast immer“ mit dem Rad zum Unterricht kommen von zwölf Prozent im Mai 2025 auf 21 Prozent im März 2026. „Meistens“ sind mit dem Fahrrad statt sieben Prozent nun 18 Prozent der Schulkinder unterwegs. Auch bei schlechtem Wetter zeigen sich Zuwächse („fast immer“: 7 auf 11 Prozent, „meistens“: 6 auf 12 Prozent).
Sudbrackschule: Bekanntheit der Elternhaltestellen steigt, gleicher Anteil bei Elterntaxis
Die Sudbrackschule in der Klarhorststraße liegt in einer Einbahnstraße, zusätzlich beeinflussen aktuelle Baustellen die Verkehrssituation. Über die Hälfte der Eltern kennen die ausgewiesenen Elterntaxi-Haltestellen jetzt zwar besser – 43 Prozent kennen den Standort Bünder Straße, 57 Prozent den Parkplatz Apfelstraße. Statt an der Elternhaltestelle Apfelstraße zu parken (meist sind die Stellplätze belegt) ist nur das Halten zum Absetzen der Kinder vorgesehen. Diese können von dort sicher über die Ampelkreuzung zu Fuß zur Schule gehen. Die Längsparkplätze in der Bünder Straße werden ebenfalls weniger angenommen. Stattdessen verlagert sich der Bringverkehr beider Standorte nun auf die Senkrechtparkplätze in der Sudbrackstraße, umliegende Straßen sowie in die Stichstraße zur Kita am Nordpark. Das führt zu gefährlichen Situationen im Umfeld der Schule.
Die Anzahl der Kinder, die „fast immer“ von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden („Elterntaxis“), ist bei gutem Wetter von 15 Prozent (Mai 2025) auf 17 Prozent (März 2026) eher gleichgeblieben („meistens“: keine Veränderung bei 9 Prozent). Bei schlechtem Wetter sind es „fast immer“ 23 Prozent (Mai 2025: 24 Prozent) und „meistens“ elf Prozent (Mai 2025: 16 Prozent).
Leichte Verbesserung beim Fußweg: Bei gutem Wetter kommen 44 Prozent (Mai 2025: 40 Prozent) der Kinder „fast immer“ zu Fuß zur Schule, „meistens“ sind es 15 Prozent (Mai 2025: 14 Prozent). Ist das Wetter schlecht, sind es aktuell „fast Immer“ 46 Prozent (Mai 2025: 39 Prozent) und „meistens“ sind es nun 15 Prozent (Mai 2025: 11 Prozent).
Deutliche Entwicklung beim Radverkehr: Bei gutem Wetter kamen jetzt 25 Prozent der Kinder „fast immer“ per Rad (Mai 2025: 20 Prozent), weitere 14 Prozent machen dies meistens (Mai 2025: 12 Prozent). Selbst bei schlechtem Wetter liegt der Anteil der Schulkinder, die „fast immer“ radeln, bei 23 Prozent (Mai 2025: 9 Prozent), „meistens“ sind es 11 Prozent (Mai 2025: 8 Prozent).
Weiteres Vorgehen
Das Projektteam der Straßenverkehrsbehörde hat die Ergebnisse zum Zwischenstand bereits mit beiden zuständigen Bezirksvertretungen, Eltern, Lehrkräften und Anwohnenden besprochen. Zum Abschluss des Verkehrsversuches gibt es Ende September die letzte Umfrage. Gemeinsam mit der Polizei folgt eine umfassende Auswertung. Die Entscheidung, ob die Schulstraßen dauerhaft eingerichtet werden, wird anschließend unter Beteiligung der Politik getroffen. Bis dahin bleiben die Schulstraßen bestehen.