Aktuelle Lage der Bielefelder Wirtschaft
| Bielefeld (bi)
Einmal im Jahr veröffentlicht die WEGE mbH die wichtigsten Kennzahlen zur Wirtschaftsentwicklung in Form eines digitalen Boards auf der WEGE-Website unter Regioboard Bielefeld (datacharts.de). Die Informationen können dort im zeitlichen Verlauf und im Vergleich mit anderen kreisfreien Städten in NRW sowie mit Durchschnittswerten auf Bundes-, Landes- und OWL-Ebene verglichen werden.
Wie auch in den Vorjahren war 2024 weiterhin von erheblichen Herausforderungen für die Wirtschaft geprägt: geopolitische Spannungen und Kriege, höhere Energiepreise, unterbrochene Lieferketten und der zunehmende Fachkräftemangel zeigten ihre Wirkungen. In den Bielefelder Wirtschaftsdaten sind erstmalig Reaktionen auf diese Umstände ersichtlich, obgleich die Bielefelder Wirtschaft weiterhin ihre hohe Innovationsfähigkeit und Widerstandskraft unter Beweis stellen konnte.
Dieses ist im Wesentlichen auf den überwiegend krisenfesten und gesunden Branchenmix mit einem grundsätzlich resilienten Dienstleistungs- und Handelssektor zurückzuführen. Auch gelingt es den stark exportorientierten Unternehmen des Produktionssektors ihren Anteil von rund zwanzig Prozent an der Gesamtbeschäftigung zu erhalten.
Beschäftigungsentwicklung in Bielefeld
Sowohl in Pandemiezeiten als auch in den Jahren 2022 und 2023 verzeichnete Bielefeld eine positive Beschäftigungsentwicklung. Zum Stichtag 30.6.2024 erfährt der Arbeitsmarkt erstmals eine negative Entwicklung. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist um 1,2 Prozent von 169.210 Erwerbspersonen auf 167.251 gesunken. Ein Minus von insgesamt 1.959 in äußerst schwierigen wirtschaftlichen Zeiten.
Im Zehnjahresvergleich sind 23.193 Erwerbstätige hinzugekommen, eine Steigerung von 16,10 Prozent. Der Zuwachs in Bielefeld liegt damit - trotz der rückläufigen Zahlen in diesem Jahr 2024 - weiterhin deutlich über dem OWL-, Landes- und Bundesdurchschnitt. Unter den kreisfreien Städten in NRW belegt Bielefeld nach Münster (Zuwachs 21,6 Prozent), Dortmund (21,2 Prozent), Köln (20,1 Prozent) den achten Platz in der Rangfolge der Städte in NRW mit den höchsten Beschäftigungszuwächsen im Verlauf der letzten 10 Jahre.
Bielefeld bleibt ein Arbeitsort für 76.481 einpendelnde Beschäftigte. Diesen stehen 44.807 Auspendler gegenüber. Der positive Saldo von Aus- und Einpendlern liegt folglich bei 31.674 Menschen. Das sind im Saldo jedoch 2.298 weniger als in 2023.
Beschäftigungsentwicklung in den einzelnen Dienstleistungssektoren
In den letzten zehn Jahren (2015 bis 2024) erfolgte der Zuwachs an Beschäftigung sehr stark im Dienstleistungssektor (einschließlich Handel). Die Zuwächse erfolgten in folgenden Teilsektoren:
Sehr dominant und nach wie vor überdurchschnittlich (im Vergleich zur Bundes-, Landes- und OWL-Ebene) vollzog sich der Beschäftigungsanstieg im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen, und zwar um rund 20 Prozent. Diese Branche bietet nominal die meisten Arbeitsplätze mit 24.146 Beschäftigten. Am stärksten vertreten sind die Sektoren Arbeitnehmerüberlassung und unternehmensnahe Dienstleistungen, darunter insbesondere Gebäudebetreuung und Landschaftsbau, Architektur- und Ingenieurbüros sowie Unternehmensberatung.
Der Handelssektor, darunter der Groß- und Einzelhandel mit 23.149 Beschäftigten, steigerte die Beschäftigung um 3,7 Prozent, verblieb damit aber unter den Zuwächsen auf Bundes-, Landes und OWL-Ebene.
Für den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Bielefeld überdurchschnittlich prägend sind weiterhin die personenbezogenen Dienstleistungen mit dem Sozialwesen und einem Zuwachs um 17,6 Prozent (auf aktuell 20.970 Erwerbspersonen) und dem Gesundheitswesen mit einem Zuwachs um 36,2 Prozent auf 16.331 Erwerbspersonen.
Der Bereich Verwaltung, Bildung und Erziehung erreichte eine Steigerung um insgesamt 30,4 Prozent auf 18.022 Personen.
Einen Zuwachs mit 15,2 Prozent verzeichnete der Logistiksektor mit 8.062 Erwerbspersonen.
Der Wirtschaftszweig Information und Kommunikation wuchs um 43,8 Prozent auf insgesamt 7.423 Erwerbstätige und zwar vor allem in der Sparte Dienstleistungen der Informationstechnologie mit aktuell 5.571 Fachkräften.
Das Gastgewerbe erzielte in 2024 wie bereits in 2023 das Vor-Corona-Niveau mit 4.376 Beschäftigten. Hier stieg die Beschäftigung von 2023 nach 2024 um 0,9 Prozent, während sie im Zehnjahreszeitraum mit 7,7 Prozent nur unterdurchschnittlich zugelegt hatte.
Beschäftigung im produzierenden Gewerbe
Im produzierenden Gewerbe ist der größte Wirtschaftszweig die Metall-, Elektro-, Maschinenbau-, Fahrzeugbau- und Reparaturbranche mit aktuell 16.802 Erwerbspersonen und einem Zuwachs in den letzten zehn Jahren um 6,0 Prozent.
Überdurchschnittlich im Vergleich zum Bund, Land und zu OWL ist vor allem der Bausektor gewachsen mit einem Plus von 32,11 Prozent auf insgesamt 6.443 Personen.
Und auch die Chemie-, Pharma- und Kunststoffbranche legte mit 22,6 Prozent überdurchschnittlich zu auf insgesamt 2.547 Beschäftigte.
Höheres BIP und mehr Neugründungen in Bielefeld
Das Bruttoinlandsprodukt (BIB pro Kopf der Erwerbspersonen) liegt in Bielefeld seit je her unter dem Vergleichsniveau von Bund, Land und OWL. Allerdings konnte sich die Zuwachsrate stetig steigern. Von 2021 nach 2022 (aktuellste Zahl) stieg das BIB um 5 Prozent. Auch im Zeitraum 2015 bis 2022 fiel das Aufkommen mit 25,6 Prozent höher aus als auf Landes- und OWL-Ebene.
Das verfügbare Einkommen pro Einwohner*innen, ein wichtiger Indikator für die Kaufkraft, beträgt 24.699 Euro und liegt damit in 2023 (aktuellste Zahl) unter dem als Bundes-, Landes- und OWL-Durchschnitt. Im Vergleich fällt auch die Zuwachsrate seit 2015 mit 20,81 Prozent niedriger aus.
Das Gründungsgeschehen, hier beschrieben mit dem Verhältnis von Neugründungen zur Summe aus Neugründungen und Betriebsaufgaben, entwickelt sich seit 2017 positiv.
Das gewerbliche Steueraufkommen sieht im Verlauf wie folgt aus: 2022 wurde ein Gewerbesteueraufkommen von 302,3 Millionen Euro erzielt, 2023 von 305,7 Millionen Euro und 2024 ein Aufkommen in Höhe von 319,3 Millionen Euro.
Im Standortranking Deutschland mit den Top-10.000-Mittelständlern rangiert Bielefeld stabil auf Platz 9 mit den meisten mittelständischen Unternehmen.