Vom sichergestellten Hund zum US-Diensthund
Ordnungsamt Bielefeld vermittelt Malinois-Hündin an Polizeibehörde in Illinois
| Bielefeld (bi)
Was mit der Sicherstellung einer auffällig gewordenen Hündin begann, endete mit einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte: Seit Juni 2026 ist eine Malinois-Hündin, die zuvor vom Ordnungsamt der Stadt Bielefeld sichergestellt worden war, als Diensthund beim Sheriff von Knox County im US-Bundesstaat Illinois im Einsatz.
Nachdem ein Bürger von der Hündin angegriffen worden, wurde das städtische Ordnungsamt auf den Fall aufmerksam. Die anschließenden Ermittlungen ergaben, dass der damalige Halter nicht über die erforderlichen Voraussetzungen verfügte, einen Hund dieser Größe und dieses Temperaments zu halten. Die Hündin wurde deshalb sichergestellt und in einer geeigneten Einrichtung untergebracht.
Dort zeigte sich bereits nach kurzer Zeit, dass sie über außergewöhnliche Fähigkeiten und ein großes Entwicklungspotenzial verfügte. Das Ordnungsamt nahm daraufhin Kontakt zu verschiedenen Stellen auf, darunter Polizei, Bundeswehr, Sicherheitsunternehmen sowie Hundetrainer und Ausbilder.
Die Hündin wurde schließlich von der Diensthundestaffel Köln getestet und überzeugte durch ihr Verhalten und ihre Leistungsbereitschaft. Bei der tiermedizinischen Untersuchung wurde jedoch eine leichte Hüftverkalkung festgestellt. Diensthunde dürfen in Deutschland keine medizinischen Probleme vorweisen. Daher wandte sich das Ordnungsamt an einen international renommierten Hundetrainer. Dieser erkannte das Potenzial des Tiers und förderte sie gezielt zu einem leistungsstarken Diensthund weiter.
Ihre Fähigkeiten weckten schließlich das Interesse einer Polizeibehörde in den USA. Dort stellt die leichte Hüftveränderung kein grundsätzliches Ausschlusskriterium dar. Die Hündin absolvierte sämtliche erforderlichen Prüfungen erfolgreich und versieht seit Juni 2026 ihren Dienst beim Sheriff von Knox County. Aus einem Hund ohne erkennbare Perspektive ist damit ein Diensthund geworden, der heute selbst täglich zur Sicherheit der Menschen beiträgt.
Hintergrund: Sicherstellungen sind das letzte Mittel
Im Rahmen der Gefahrenabwehr wirkt das Ordnungsamt der Stadt Bielefeld Risiken entgegen, die durch Hunde oder einen unsachgemäßen Umgang mit ihnen entstehen können. Ziel ist es, Gefahren möglichst frühzeitig zu verhindern und gemeinsam mit den Halterinnen und Haltern Lösungen zu finden, bevor weitergehende Maßnahmen erforderlich werden.
Bleiben Beratungsgespräche, Aufforderungen oder Bußgeldbescheide ohne Wirkung oder werden ordnungsbehördliche Verfügungen nicht befolgt, kann als letztes Mittel die Sicherstellung eines Hundes notwendig werden. Mit einer Sicherstellung endet die Arbeit der Mitarbeitenden des Ordnungsamtes jedoch nicht. Häufig beginnt anschließend die anspruchsvolle Suche nach einer neuen Unterbringung, die den Bedürfnissen und Eigenschaften des jeweiligen Tieres gerecht wird.
Unter bestimmten Voraussetzungen können sichergestellte Hunde auch an ihre bisherigen Halterinnen oder Halter zurückgegeben werden, etwa wenn zuvor fehlende Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Haltung nachträglich erfüllt werden.
In diesem Jahr wurden bislang fünf Hunde in Bielefeld sichergestellt, im Vorjahr acht Hunde. Seit Beginn der Erfassung im Jahr 2000 wurden insgesamt 274 Hunde sichergestellt.