Bielefeld ein Stück sicherer machen
Unfallkommission entschärft 14 Unfallhäufungsstellen
| Bielefeld (bi)
Mehr Sicherheit auf Bielefelds Straßen, dieses Ziel verfolgt die Arbeit der Unfallkommission. Mit Erfolg: 14 besonders unfallbelastete Orte wurden in den vergangenen Monaten nachhaltig entschärft. Für viele Bürgerinnen und Bürger bedeutet das vor allem eines – ein spürbar sicherer Weg durch ihren Alltag. Nach der Beseitigung gibt es aktuell im gesamten Stadtgebiet 51 sogenannte Unfallhäufungsstellen (Vergleich Stadt Bonn: 39). Nach der Neuaufstellung und personeller Verstärkung der Unfallkommission 2024 werden die Unfallhäufungsstellen in vier Sitzungen pro Jahr bewertet. Das sind Abschnitte oder Kreuzungen, an denen es überdurchschnittlich häufig zu Unfällen kommt. Umso wichtiger ist die gezielte Arbeit der Unfallkommission, deren Maßnahmen nun Wirkung zeigen.
Diese Orte konnten sicherer gemacht werden:
Mitte:
- Oelmühlenstraße/Teutoburger Straße
(Rot-Markierung für Radspur + Neue Beschilderung für Fahrtrichtung) - Heeper Straße/Otto-Brenner-Straße/Lohbreite
(Markierungsarbeiten im Kreuzungsbereich) - Heeper Straße/Mühlenstraße
(Rot-Markierung Radspur, Polizeikontrollen für falschfahrende Rad- und E-Scooter-Fahrer, Austausch: Vorfahrt-Achten- gegen Stoppschild) - Beckhausstraße/Schildescher Straße
(Größeres Warnsignal für mehr Aufmerksamkeit auf Fuß- und Radverkehr) - Jöllenbecker Straße/Feilenstraße/Bahnhofsstraße
(Verbot Linksabbiegen in die Bahnhofstraße)
Stieghorst:
- Detmolder Straße/Otto-Brenner-Straße/Osningstraße
(Neuer Rotlicht-Blitzer Osningstraße Richtung Innenstadt, Polizeikontrollen und Präventionsarbeit an Schulen) - Stralsunder Straße 24
(Optimierung der Sichtachsen für alle Verkehrsteilnehmer)
Heepen:
- Herforder Straße/Am Wellbach/Talbrückenstraße
Markierungsarbeiten für bessere Sichtbarkeit der Wegstrecken) - Eckendorfer Straße/Am Wellbach
(Neue Signalisierung für Linksabbieger) - Oldentruper Straße 252–260
(Prüfung Zebrastreifen – nicht umsetzbar, Rückgang der Unfälle) - Herforder Straße/Heilbronner Straße
(Rotmarkierung, Tempo 50)
Schildesche:
- Engersche Straße/Talbrückenstraße/Westerfeldstraße
(Optimierung des Linksabbiegens für den Radverkehr aus vier Richtungen der Kreuzung)
Brackwede:
- Brockhagener Straße 260-266
(Einführung durchgehend Tempo 70)
Sennestadt:
- Paderborner Straße/Lämershagener Straße/Verler Straße
(Analyse des uneinheitlichen Unfallbildes, keine ausreichende Unfallhäufung)
Was ist eine Unfallhäufungsstelle?
Die Polizei erfasst alle Unfälle in Bielefeld. Gibt es Auffälligkeiten im Unfallgeschehen oder liegen besonders viele Fälle an einer Stelle vor, wird die Voraussetzungen für eine Unfallhäufungsstelle geprüft. Es gibt drei wesentliche Größen, die entscheidend dafür sind, ob eine Unfallhäufungsstelle vorliegt: der Betrachtungszeitraum, die Schwere des Unfalles und die Art des Unfalles:
- 1 Jahr:
Mindestens drei Unfälle des gleichen Grundtyps – Unfälle, die immer auf dieselbe Art und Weise passieren. - 3 Jahre (schwere Unfallfolge):
Mindestens drei Unfälle mit Todesfolge oder Schwerverletzten - 3 Jahre (Beteiligung von Fuß- und Radverkehr):
Mindestens fünf Unfälle jeweils unter Beteiligung Zu-Fuß-Gehende/Radfahrende/E-Scooter-Fahrende
Hinzu kommt die Unfallkategorie, die die Schwere des Vorfalls erfasst. Bei der Unfallkategorie 1 ist es ein Unfall mit Todesfolge, Kategorie 2 und 3 umfassen Schwer- und Leichtverletzte, Kategorie 4 erfasst Fälle mit schwerem Sachschaden.
Welche Unfallarten gibt es – und warum ist das wichtig?
Um die richtigen Maßnahmen zu treffen, schaut die Unfallkommission ganz genau hin, wie Unfälle passieren. Dafür werden sie in sieben typische Unfallarten eingeteilt. So lassen sich Muster erkennen – und gezielt Veränderungen zur Unfallvermeidung finden.
Die wichtigsten Unfalltypen im Überblick:
- Fahrunfall
Ein Fahrzeug gerät außer Kontrolle, etwa durch zu hohe Geschwindigkeit oder Glätte - Abbiegeunfall
Konflikte beim Abbiegen, z. B. mit entgegenkommenden Fahrzeugen, Radfahrenden oder Fußgängern - Einbiegen- und Kreuzen
Typischer Vorfahrtskonflikt, z. B. ein Fahrzeug fährt in eine Straße ein, übersieht den fließenden Verkehr - Überschreiten
Konflikt zwischen einem Fahrzeug und einem Fußgänger auf der Fahrbahn. - Ruhender Verkehr
Klassische Parkunfälle, z. B. Unfälle beim Ein- oder Ausparken. Mit einem Fahrzeug, das sich im fließenden Verkehr befindet - Unfälle im Längsverkehr
Verkehrsteilnehmende bewegen sich in gleicher oder entgegengesetzter Richtung, z. B. Auffahrunfälle oder Fehler beim Spurwechsel - Sonstiger Unfall
Beispielsweise Situationen wie Parkplatzunfall, Rückwärtsfahren, Reifenschäden, Bremsversagen, Wenden oder Hindernisse/Tiere auf der Fahrbahn.
Über 20 Prozent geschafft – und doch ein fortlaufender Auftrag
Mit der Entschärfung von 14 Stellen ist ein wichtiger Schritt getan: Rund 20 Prozent aller Unfallhäufungsstellen in Bielefeld konnten bereits beseitigt werden. „Wir wollen verhindern, dass Menschen bei Verkehrsunfällen zu Schaden kommen“, betont Olaf Lewald, Leiter des Amtes für Verkehr. „Die Unfallkommission ist dafür ein äußerst wirkungsvolles Instrument – und ein zentraler Baustein auf dem Weg zu unserem gemeinsamen Ziel: der Vision Zero.“
Diese Vision steht für einen Straßenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte – ein ambitioniertes Ziel, das nur durch kontinuierliche Analyse, Zusammenarbeit und konsequentes Handeln erreicht werden kann.
Hintergrund: So arbeitet die Unfallkommission
Hinter jeder entschärften Unfallhäufungsstelle steht ein klarer, mehrstufiger Prozess. Ziel ist es, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern die eigentlichen Ursachen zu erkennen und dauerhaft zu beseitigen.
1. Genau hinschauen
Wird eine Unfallhäufungsstelle von der Polizei gemeldet, beginnt die Ursachenforschung. Die Mitglieder der Unfallkommission (die Straßenverkehrsbehörde Stadt Bielefeld, die Polizei Bielefeld, der Straßenbaulastträger Stadt Bielefeld und für die Landesstraßen Straßen.NRW, beratendes Mitglied ist die Bezirksregierung Detmold) nehmen die Örtlichkeit unabhängig voneinander in den Blick – direkt vor Ort und mit ihrer jeweiligen fachlichen Perspektive.
2. Ursachen erkennen
Im Fokus steht die Analyse typischer Schwachstellen im Straßenraum:
- Erkennbarkeit: Der Verlauf, die Kreuzung/Einmündung muss rechtzeitig erkennbar sein
- Begreifbarkeit: Jeder muss frühzeitig begreifen, wie er/sie sich verhalten soll
- Übersichtlichkeit: Alle Verkehrsteilnehmenden müssen feststellen können, ob und von wo andere kommen
- Befahrbarkeit: Die technischen Voraussetzungen einer Straße müssen eingehalten werden (z. B. Kurvenführung, Verkehrssicherheit, angemessene Breiten der Verkehrswege)
Das gebündelte Fachwissen aus Verkehrsrecht, Straßenbau und polizeilicher Praxis hilft, auch komplexe Zusammenhänge zu verstehen und die wesentlichen Defizite herauszuarbeiten.
3. Passgenaue Maßnahmen entwickeln
Erst durch diese genaue Analyse des jeweiligen Geschehens wird sichtbar, wo das eigentliche Problem liegt. Die Unfallkommission nutzt das Wissen, um ganz gezielt – mit individuellen Lösungen je Standort nachzusteuern. Auf dieser Basis werden gezielte Maßnahmen beschlossen. Zum Beispiel:
- bessere oder zusätzliche Beschilderung
- deutlichere Fahrbahnmarkierungen
- bauliche Veränderungen an Kreuzungen oder Einmündungen
- Gezielte Verkehrsüberwachung an erkannten Unfallhäufungsstellen/Unfallhäufungslinie durch die Polizei
- Umbau einer Kreuzung oder eines Kreisverkehrs
- Installation von Blitzern, (teil-)stationäre Überwachung zu Geschwindigkeit und Ampeln (Missachtung Rotlicht) mit „festinstallierten Blitzern“ oder „Blitzer-Anhänger“ durch die kommunalen Ordnungsbehörden
4. Wirkung prüfen
Nach der Umsetzung wird die Situation für ein Jahr beobachtet. Erst dann zeigt sich, ob die Maßnahmen greifen. Gibt es dort keine oder deutlich weniger Unfälle, gilt die Stelle als erfolgreich entschärft. So wird aus sorgfältiger Analyse konkrete Sicherheit – und aus jedem einzelnen Schritt – ein Gewinn für alle, die sich in Bielefeld täglich im Straßenverkehr bewegen.