Die Bauabschnitte

Da müssen wir jetzt durch!

Für die Sanierung der Lutter gibt es keine Alternative. Mehr als 115 Jahre hat der alte Lutterkanal im Herzen der Bielefelder Altstadt gehalten. Als sich die Stadtväter um 1900 das erste Mal mit der Lutter befassen mussten, gaben vor allem hygienische Gründe den Ausschlag für eine Verrohrung des kleinen Gewässers. So wurde der Beschluss gefasst, die Lutter in einen unterirdischen Kanal umzuleiten - für damalige Verhältnisse ein echter abwassertechnischer Fortschritt. Doch auch an diesem großartigen Werk einstiger Tiefbaukunst nagt der Zahn der Zeit. Der stete Druck von unten durch das Grundwasser und von oben durch Bebauung und Straße haben Spuren hinterlassen. Daher ist es unumgänglich, den Kanal grundlegend zu erneuern.

Im November 2010 befasste sich der Rat der Stadt Bielefeld zum ersten Mal mit diesem Thema. Bei dieser Sitzung wurde der nachhaltige Wunsch formuliert, neben dem damals vorgestellten Sanierungsplan noch weitere Alternativen aufzuzeigen. Daraufhin wurde die Arbeitsgruppe „Sanierung Weser-Lutter” eingerichtet, bestehend aus verschiedensten Ämtern, Fachstellen und externen Berater*innen. In diesem Gremium wurden viele Varianten erarbeitet, bewertet und vorgestellt – sechs davon kamen in die engere Auswahl. Schlussendlich entschied sich der Rat der Stadt Bielefeld für die Variante C, die den Bau zweier Rückhaltebecken in Verbindung mit einer teils in offener, teils in geschlossener Bauweise bedingten Sanierung beinhaltet.
Die Sanierung der Weser-Lutter erfolgt dabei in zwei Bauabschnitten. Der erste Abschnitt mit der Sanierung von der Teutoburger Straße bis zum Niederwall ist bereits abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt begann im Herbst 2019 mit dem Bau des Regenrückhaltebeckens an der Teutoburger Straße.

Ein sehr wichtiger Schritt in der Vorbereitungsphase war die Sanierung der Sohle des Kanals. In einer aufwendigen Aktion wurde dafür zwischen dem Siekerwall und der Teutoburger Straße die Sohle des Kanals mit schnell trocknendem Spezialbeton ausgegossen, um einen so genannten hydraulischen Grundbruch (Bruch der Sohle) zu verhindern. Die Betonierung der brüchigen Sohle war Voraussetzung für die anschließende offene Sanierung des maroden Lutterkanals und diente zugleich der Reduzierung der Einsturzgefahr. Innerhalb der geplanten Bauzeit von sechs Monaten wurden bis Ende Dezember 2013 insgesamt 400 m3 Spezialbeton und 30 Tonnen Baustahl in der nur 1,62 Meter hohen Röhre auf einer Länge von 700 Metern verbaut. 

Im Januar 2015 begann der erste Sanierungsabschnitt. Im ersten Bauabschnitt drehte sich alles um die Sanierung der verrohrten Lutter unterhalb der Ravensberger Straße zwischen Niederwall bis hin zur Teutoburger Straße. Hier wurde in offener Bauweise der Kanal komplett erneuert. 

Der 1. Bauabschnitt bei der Sanierung der verrohrten Weser-Lutter war technisch und planerisch besonders herausfordernd. Als erstes wurden die Versorgungsleitungen der Stadtwerke und ein großer Schmutzwassersammler umgelegt um für die kommenden Ausgaben eine Trassenfreiheit zu gewähren. Denn im Anschluss wurde eine bis zu sechs Meter breite, fünf Meter tiefe und circa 20 Meter lange Hauptgrube gegraben, um den alten Lutterkanal freizulegen. Dann hat man mit einer Fräse den oberen Teil des alten Kanals abgetragen und durch die neuen Fertigteil-Elemente ersetzt. Die Arbeiten liefen so gut, dass der vorgegebene enge Zeitplan gut eingehalten werden konnte. Abgeschlossen wurde der 1. Bauabschnitt mit der Untertunnelung des Niederwalls für den Lutter-Bypass.

Der 2. Bauabschnitt bei der Sanierung des Weser-Lutter-Kanals zwischen Teutoburger Straße und Stauteich I (An der Walkenmühle) begann im Herbst 2019. Da der Kanal in diesem Bereich unterhalb einer äußerst schützenswerten Platanenreihe liegt, wurde vom Rat der Stadt entschieden, den Kanal in geschlossener Bauweise zu sanieren. Das bedeutet, dass die Sanierung mit möglichst wenigen Eingriffen in den Boden erfolgt. Deshalb wird die Weser-Lutter mit einem so genannten „Kurzrohr-Relining” ertüchtigt. 

Begonnen wurde mit dem Bau des Regenrückhaltebeckens (RRB) an der Teutoburger Straße. Dieses soll bis Mitte 2022 fertiggestellt werden. Im Frühjahr 2022 beginnen die Arbeiten für die eigentliche Kanalsanierung. Diese Arbeiten sollen nach derzeitigen Planungen bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Für die Kanalsanierung werden punktuelle Baugruben errichtet, in denen der freigelegte Kanal geöffnet wird. Über diese Öffnungen werden passgenaue GFK-Rohre eingebaut. (GFK bedeutet „Glasfaserverstärkter Kunststoff”. Das ist ein Faser-Kunststoff-Verbund aus einem Kunststoff und Glasfasern.) Die Rohre werden in die Baugruben abgesenkt, dort mittels einer Hydraulik in den vorhandenen Kanal eingeschoben und dort miteinander verbunden. Um sich ein Bild von den Arbeiten zu machen, haben wir hier einen kurzen Erklär-Film eingebunden. Natürlich sind diese neuen GFK-Rohre ausreichend tragfähig, um die Lasten aus Boden und Umgebung sicher aufzunehmen. Die Baugruben werden so angeordnet, dass so wenig wie möglich in den Baumbestand eingegriffen werden muss.

Darüber hinaus wird ein großer Schmutzwassersammler, der von Teutoburger Straße bis Huberstraße oberhalb des Weser-Lutter-Kanals verläuft, mit einem „Schlauchlining” saniert. Auch dieses Verfahren ist eine geschlossene Bauweise. Hier werden allerdings keine fertigen Rohre in den Kanal eingezogen, sondern ein mit Harz getränkter flexibler Gewebeschlauch. Dieser wird mit Druck gegen die Kanalwandung gepresst, so dass er dort formschlüssig aushärten kann. 
Während der Sanierungsarbeiten an Weser-Lutter- und Schmutzwasserkanal muss das Wasser weiterhin fließen. Dazu werden abschnittsweise von der Teutoburger Straße bis zum Stauteich I während der Bauzeit Stahlrohre mit einem Durchmesser von circa einem Meter in der angrenzenden Grünfläche verlegt, über die das Wasser abgeleitet werden kann. Die vorhandenen Kanäle können damit weitestgehend trocken gehalten werden, um die erforderlichen Sanierungsarbeiten auszuführen.